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Samstag, 2. Oktober 2010, 10:53

Steirische Dusägge um 1600

Hallo Blankwaffenfreunde!

Ich möchte heute meine zweite Dusägge um 1600 vorstellen, da diese eine andere Klinge und ein etwas verändertes Gefäß hat.
Die Abmessungen :
Gesamtlänge 92 cm,
Klingenlänge 78,5 cm,
Klingenbreite 3,8 cm,
Pfeilhöhe 4 cm,
Parierstangenbreite 21 cm,
Gewicht 1,13 kg.

Gruß Willi
Willibald Meischl

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Sonntag, 3. Oktober 2010, 14:01

Hallo Willi!
Ja, da bleibt einem einfach der Atem weg...
Frage an dich als hier besonderem Spezialisten: wie bestimmst du einigermassen klar die kleine Zeitdifferenz (1580 Dusägge 1 zu 1600 Dusägge 2)?
Zweitens die sichtbare Sichelklingenmarke, von denen es mehrere zu geben scheint-aber in leichten Variationen. Ich habe anhand dieser hier erkennbaren eine sehr ähnliche entdeckt (allerdings gibts da auf auch ungarischen Blankwaffen der Zeit diverse Typen von Sichel-bzw Halbmondmarken), die vom LZH Graz als "späte Sichelmarke, vielleicht des Thomas Lehr ob Weiz" bezeichnet wird; beschrieben als:
Thomas Lehr Schwertschmied ob Weiz, nachweisbar von 1691 bis 1695; Säbel-und Haudegenklingen
mlG Gerhard
A.E.I.O.U.

3

Montag, 4. Oktober 2010, 13:22

Zitat

Original von Doppeladlerkorb
Hallo Willi!
Ja, da bleibt einem einfach der Atem weg...
Frage an dich als hier besonderem Spezialisten: wie bestimmst du einigermassen klar die kleine Zeitdifferenz (1580 Dusägge 1 zu 1600 Dusägge 2)?
Zweitens die sichtbare Sichelklingenmarke, von denen es mehrere zu geben scheint-aber in leichten Variationen. Ich habe anhand dieser hier erkennbaren eine sehr ähnliche entdeckt (allerdings gibts da auf auch ungarischen Blankwaffen der Zeit diverse Typen von Sichel-bzw Halbmondmarken), die vom LZH Graz als "späte Sichelmarke, vielleicht des Thomas Lehr ob Weiz" bezeichnet wird; beschrieben als:
Thomas Lehr Schwertschmied ob Weiz, nachweisbar von 1691 bis 1695; Säbel-und Haudegenklingen
mlG Gerhard


Hallo Gerhard

Es ist zwar etwas kompliziert die richtige zeitliche Bestimmung zu erklären , aber ich will versuchen den Sachverhalt klarzustellen.
Grundsätzlich besteht der Unterschied zur zeitlichen Einordnung in der Knauf- und Gefäßform. Bis ca 1590 war der Pagodenknauf bei Dusäggen in der Steiermark üblich. Da die steirischen Waffenschmiede aber nicht nur Waffen für die Steiermark produzierten, sondern ihre Waffen auch exportierten, allerdings mit "Tonnen - oder Kugelförmigen" Knauf ( bekannt als Deutsch gefasster Degen oder Säbel, oder Südeutscher Degen oder Säbel, oder im englischen, als Sinclair Säber), kamen, um die Waffen als steirisch zu typisieren, ab ca. 1600 die in Pilzform geschmiiedeten Knäufe in Mode. Ein weiterer Hinweis ist das doppelte Stichplatt mit dem angeschmiedeten Daumenring, das erst ab 1600 nachweisbar ist.
Das Gefäßformen nicht nur örtrlich bergrenzt, sonder überregional verwendet wurden ist eine Tatsache, aber die unterschiedlichen Regionen haben ihre örtlichen Merkmale, wenn man sich damit etwas näher beschäftigt.
Im Verlauf es dreißigjährigen Krieges verloren sich, durch die grosse Anzahl der benötigten Waffen, die örtlichen Elemente . Kaufleute, sowie Waffenmanufakturen versuchten nunmehr durch erforderliche Massenfabrikationen Gewinne zu erzielen und die kleineren Handwerksbetriebe mussten um überleben zu können, ihre Produkte auf bäuerliche Anforderungen umstellen. Dass dabei natürlich, vorallem die steirischen Hersteller betroffen waren, erklärt sich von selbst. Aber gerade deshalb sind Dusäggen oder Degen aus dieser Zeit etwas Besonderes.
Willibald Meischl

4

Montag, 4. Oktober 2010, 17:52

Danke dir für die schlüssige und kompetente Erklärung!!!
mlG Gerhard
A.E.I.O.U.

5

Montag, 4. Oktober 2010, 21:47

hallo schifferlbauer,

um zu diesen Erkenntnissen zu kommen, braucht es viele Jahre Erfahrung ( Bücher lesen, Museen besichtigen und Diskussionen mit anderen Sammlern ).
Aber es ist sicher für Dich auch dieses Drumherum, das diese frühen Stücke mit sich bringen. Man kann sich stundenlang beschäftigen, um den Hintergrund zu einer Waffe zu ergründen.
Da haben es "Modell-Sammler" deutlich einfacher. sie können sich an Stempeln, festgelegten Maßen und dokumentiertem Aussehen orientieren.
Wenn dann der Preis passt, gekauft und an die Wand.
Deine Beiträge sind gut und machen mir viel Freude.

Gruß
Rothbarsch

6

Dienstag, 5. Oktober 2010, 18:20

Zitat

Original von Rothbarsch
hallo schifferlbauer,

um zu diesen Erkenntnissen zu kommen, braucht es viele Jahre Erfahrung ( Bücher lesen, Museen besichtigen und Diskussionen mit anderen Sammlern ).
Aber es ist sicher für Dich auch dieses Drumherum, das diese frühen Stücke mit sich bringen. Man kann sich stundenlang beschäftigen, um den Hintergrund zu einer Waffe zu ergründen.
Da haben es "Modell-Sammler" deutlich einfacher. sie können sich an Stempeln, festgelegten Maßen und dokumentiertem Aussehen orientieren.
Wenn dann der Preis passt, gekauft und an die Wand.
Deine Beiträge sind gut und machen mir viel Freude.

Gruß
Rothbarsch


Hallo Rothbarsch
Du hast mit Deiner Argumentation voll ins Schwarze getroffen. Ich beschäftige mich natürlich auch intensiv mit Europäischer Geschichte und mein Hauptzeitraum ist der 30jährige Krieg.

Grüsse
Willi
Willibald Meischl