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Dienstag, 15. Oktober 2013, 22:56

Restaurierung eines Säbelgriffs

Hallo zusammen,

vor kurzem habe ich einen Säbelgriff restauriert und möchte berichten wie ich dabei vorgegangen bin.
Zuvor will ich aber noch einige Gedanken zum Thema Restaurierung loswerden.
Als Sammler ist man im Zwiespalt ein sehr gut erhaltenes Stück für viel Geld zu erwerben oder sich mit mehr oder weniger schlechten Stücken zu begnügen. Nun sind nur sehr wenige in der Lage über die nötigen Finanzmittel zu verfügen um eine wirklich hochwertige Sammlung mit Spitzenstücken aufzubauen. Zumeist fängt man "klein" an mit z.B. einigen Bajonetten und findet dann erst mit der Zeit sein Thema, erschließt sich immer neue Informationen, kann sich irgendwann auch mal was teureres leisten und wird wählerischer: Lieber ein Stück weniger gekauft aber dafür hochwertiger.

Leider ist der Zustand der meisten Stücke nicht mehr perfekt. Dies muss man Gegenständen die oft mehrere hundert Jahre alt sind und auch in Gebrauch waren zugestehen. Erwirbt man jetzt ein solches Stück wirft sich die Frage auf ob man daran etwas restaurieren sollte oder es besser bleiben lässt. Weniger ist oft mehr! Dies sollte man sich immer vor Augen halten bevor man etwas verschlimmbessert.
Hat man jedoch mal ein Stück, dessen Zustand so schlecht ist, dass man praktisch nichts kaputt machen kann ist es jedenfalls interessant sich einmal daran zu probieren. Wie weit man bei einer Restauration geht bleibt letztlich jedem selbst überlassen. Mancher ist hier sehr streng und duldet keine "befummelten" Stücke, der Andere wiederum ist zu Kompromissen bereit.

Nach diesem etwas längeren Prolog möchte ich hier nun die Restaurierung des Griffs eines bayerischen Infanterie Offizierssäbel M 1855 aus der Regierungszeit König Ludwigs des Zweiten (1864-1886) vorstellen.

Ausgangszustand:
Die Griffbelederung aus Rochen- bzw. Perlhaihaut war so abgescheuert, dass an mehreren Stellen das Griffholz zu sehen war. Auch war die Vergoldung der Drahtwicklung so abgerieben, dass nur noch der Kupferdraht sichtbar war. Insgesamt wackelte der Griff nicht unerheblich.

Restaurierung:
Nach längerer Überlegung entschied ich mich für eine Erneuerung des Griffleders und der Drahtwicklung. Dazu musste notgedrungen die Vernietung geöffnet werden. Der Draht, welcher an den verdeckten Stellen noch die originale Vergoldung zeigte wurde entfernt sowie die Reste der Rochenhaut vorsichtig abgelöst. Zuvor stand allerdings die Überlegung an was als Ersatz dienen sollte. Perlhaihaut ist nicht so einfach zu bekommen, auch nicht sehr günstig und meist nicht gegerbt. Stachelrochen hingegen war einfach zu bekommen und somit fiel auf ihn die Wahl. Den passenden Draht zu besorgen war ein Leichtes. Das Griffholz wurde gleichmäßig mit Holzleim bestrichen und der gewählte Lederfleck aufgelegt. Dann mit einer Schnur stramm umwickelt, damit sich die Haut den Rillen des Griffs gut anpasste. Etwas schwierig war es am oberen Ende des Griffs auf Grund der Krümmung. Der Draht wurde mit Hilfe des Akkuschraubers verdrillt bis er dem Original entsprach. Hier muss man bei der Drahtlänge etwas aufpassen denn um ca. 90 cm verdrillten Draht zu bekommen benötigt man ca. 2,5 - 3,0 m einfachen Draht.
Nach Trocknung des Leims wurde die Schnurwicklung entfernt und das überstehende Leder am Griffrücken abgeschnitten. Durch die harte Perlung schneidet es sich allerdings schlecht. Darauf wurde die Drahtwicklung angebracht. Zwei einfache Drähte und dazwischen der verdrillte Draht gut gewickelt und befestigt. Danach erfolgte der Zusammenbau des Gefäßes. Hierbei ist oft auch die sorgfältige Anfertigung eines neuen Stoßleders notwendig. Die Gefäßteile wurden vor dem Zusammenbau möglichst schonend gereinigt. Die Vernietung erfolgte auf die Art wie sie hier im Forum dankenswerter Weise an anderer Stelle beschrieben wurde.
Ein passendes Portepee wurde noch besorgt und hoffentlich nicht allzu falsch angebracht.

Fazit:
Ich bin mit dem Resultat zufrieden! Die entfernten originalen Teile sind nicht zerstört und werden entsprechend eingelagert. Somit wäre die Sache theoretisch reversibel.

Viele Grüße vom Jagdsammler Ebbe
»Jagdsammler« hat folgende Bilder angehängt:
  • M1855 vorher a.JPG
  • M1855 vorher b.jpg

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Jagdsammler« (23. Oktober 2015, 21:34)


2

Dienstag, 15. Oktober 2013, 23:05

Restaurierung eines Säbelgriffs

Hier nun die Bilder: Einmal die Haut alt und neu, aufgeleimt mit Schnurwicklung, ohne Schnur, mit Drahtwicklung und der fertige Griff.
»Jagdsammler« hat folgende Bilder angehängt:
  • Alt und Neu.JPG
  • Vergleich.JPG
  • Leder aufgeleimt.JPG
  • Wicklung angebracht.JPG
  • Griff neu.JPG

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Jagdsammler« (23. Oktober 2015, 21:41)


3

Dienstag, 15. Oktober 2013, 23:12

Restaurierung eines Säbelgriffs

Hier noch die Bilder vom kompletten Stück: Vorher, nachher und mit Portepee.
»Jagdsammler« hat folgende Bilder angehängt:
  • M1855 vorher a.JPG
  • M 1855 danach a.jpg
  • M1855 vorher b.jpg
  • M1855 mit Portepee.jpg

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Jagdsammler« (23. Oktober 2015, 21:45)


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Mittwoch, 16. Oktober 2013, 12:33

Hallo Ebbe,

Eine wirklich schöne und gelungene Restauration, meine Anerkennung zu dieser Arbeit !!

Noch eine Anmerkung zu Griffbelederung:

Es wird eigentlich immer von Haifischaut bzw. Rochenhaut gesprochen. Haifischhaut wurde früher auch als „Boroso“ bezeichnet und hat eine glattere Struktur wie die von dir verwendete Haut. Die Bezeichnung Perlhai ist eigentlich nicht richtig, da es ein solches Tier im zoologischen Sinne nicht gibt. Jedoch gehören die Rochen und Haie ja derselben Gattung an.
Bei der von dir verwendeten Haut handelt es sich um Rochenhaut und stammt vom Perlrochen ( lat. Trygonidae Rajidae ). Ich selbst habe mir einige Häute letztes Jahr aus Asien importieren lassen. Im naturbelassenem, nur geerbten Zustand haben sie eine grau-grüne Färbung. Da diese Tierchen max. 30cm groß werden und mit zunehmenden Alter diese „Perlenstruktur“ immer größer wird ist es schwierig aus einer Haut ein passendes Stück für eine Griffbelederung herauszubekommen. ( am besten eignen sich Häute von Jungtieren).
Schick mir doch bitte mal die Adresse, wo du die Häute bestellt hast.

Zum Portepee: Meines Wissens sind die bayrischen Portepees für Infanteriesäbel ohne mit dem roten Juchtenleder unterlegten Schlagband und ohne der Metallöse zwischen Stengel/Quast und Band. Dies ist den Kavallerie Offizieren und den Berittenen Truppen vorbehalten.

Gruß Bernd
olgaulan

5

Mittwoch, 16. Oktober 2013, 15:19

Hallo Bernd,

vielen Dank für Deine lobenden Worte und für Deine näheren Ausführungen zu den Rochen!

Meine Rochenhautstücke habe ich einfach bei eBay gekauft, da gibt es Stücke in allen möglichen Größen. Meine waren irgendwelche Reststücke.
Was das Portepee angeht muss ich mich dann wohl irgendwann mal noch nach einem Kavalleriesäbel umschauen. Ich kenne mich damit nicht aus, daher danke für die Info! Wieder ein neuer Erkenntnisgewinn.

Viele Grüße von Ebbe

6

Mittwoch, 16. Oktober 2013, 17:12

Hallo Ebbe,

Prima! So ist`s Recht! Den Säbel passend zu Portepee kaufen!

Ich würd`s auch so machen. ;)

Gruß Bernd
olgaulan

7

Samstag, 19. Oktober 2013, 14:39

Hallo,
Ein gelungenes Restaurierungsprojekt - Hut ab!
Peter

8

Samstag, 19. Oktober 2013, 20:06

Hallo Peter,

vielen Dank für Dein Lob.
Ich finde es spannend mich an solchen Restaurierungen zu probieren. Allerdings erst wenn ich mir darüber klargeworden bin, dass ich es mir auch zutraue.
Viele Anregungen konnte ich mir hier im Forum dazu holen. Dafür an dieser Stelle mal Danke an alle die sich hier tatkräftig mit ihrem Wissen einbringen!

Wenn mal was ganz gut geworden ist freut man sich auch, es anderen zeigen zu können. Wichtig ist dabei nur, dass man nicht vergisst während der Maßnahme Fotos zu machen. Dadurch hat man auch eine Dokumentation für das nächste Mal.

Viele Grüße von Ebbe

9

Sonntag, 22. Februar 2015, 20:01

Restaurierung eines zweiten Säbelgriffs

Hallo zusammen,

heute geht es um die Erneuerung des Griffleders eines bayerischen Husarensäbels M 1813. Das Stück selbst habe ich bereits unter Bayern in der Reihe der von Blankhans vorgestellten Husarensäbel eingereiht. Bei diesem Säbel fehlte der Griffbezug komplett, so dass es für mich klar war, dass hier was Neues hinkommt. Da auch dieser Säbel am Griffrücken überdeckt ist war es nicht sehr schwer die Sache zu verwirklichen. Bevor ich nun Hand an das Stück legte habe ich mir erst mal die Bilder der hier im Forum vorgestellten Säbel genau angeschaut, damit ich bei der Restaurierung auch möglichst nah an den originalen Zustand komme.

Zunächst war es nötig ein geeignetes Stück Leder zu finden. Ein Reststück einer alten Lederhose war dafür gut geeignet, da es bereits die richtige "Patina" aufwies. Damit sich das Leder gut an die Rillen des Griffes anschmiegt wurde es gut gewässert. Das Griffholz nach dem Abschlagen des Griffes satt mit Holzleim bestrichen, das nasse Leder stramm um das Holz gelegt und dann mit Schnur und Draht im Bereich der Griffrillen eng gewickelt. (Siehe Bilder)
Nachdem das Ganze gut getrocknet war wurde Draht und Schnur abgenommen und das überstehende Leder abgeschnitten. Nachdem ein Stoßleder sorgsam angefertigt und gedunkelt war konnte der Zusammenbau erfolgen.
Zuvor war jedoch ein Strecken der Angel erforderlich, was erstaunlicherweise relativ leicht ging. Blankwaffen aus Solinger Fertigung haben sich dabei bisher als schwieriger erwiesen. Wie bei der Vorstellung des Säbels erwähnt stammt dieses Stück aus Amberg.
Die Vernietung erfolgte wie hier an anderer Stelle beschrieben. Auch dabei kam mir die gute Bearbeitbarkeit der Angel entgegen.
Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden.

Viele Grüße vom Jagdsammler Ebbe.
»Jagdsammler« hat folgende Bilder angehängt:
  • DSCI0024.JPG
  • DSCI0029.JPG
  • DSCI0030.JPG
  • DSCI0032.JPG
  • DSCI0038.JPG
  • DSCI0043.JPG

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Jagdsammler« (23. Oktober 2015, 21:31)