Sie sind nicht angemeldet.

1

Montag, 6. Januar 2014, 21:08

Eine Jagdplaute mit "intensivem" Lebenswandel

Hallo zusammen,

in meiner Sammlung befindet sich eine Jagdplaute aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, welcher man die lange und intensive Nutzung ansieht.

Im jetzigen Zustand hat die Plaute folgende Maße:

Gesamtlänge: 517 mm
Klingenlänge: 390 mm
Klingenbreite max.: 32 mm
Klingenstärke max.: 6,7 mm
Scheidenlänge: 438 mm

Der Griff besteht aus Hirschhorn und die Montierung aus Messing. Ein Stichblatt in Form eines Eselshufs, welches das leider fehlende Beimesser überdecken soll, ist mit einer flüchtenden Hirschkuh die von einem Hund verfolgt wird geziert. Die bewegte Parierstange endet in Löwen- oder Hundeköpfen. Auf dem Mittelstück ist ein Monsterkopf zu sehen. Der Griffring hat florale Elemente und die Griffkappe ist oben mit einem kapitalen ruhenden Hirsch verziert.

Die Klinge hat beidseits einen schmalen Zug nahe des Rückens.

Wie sah das Stück ursprünglich aus?

Die Parierstange ging einst in einen Griffbügel über. Erkennbar ist dies vor allem an der Aussparung der Griffkappe. Was könnte passiert sein? Nachdem, bei einem "harten Einsatz" welcher Art auch immer, der Griffbügel im Bereich der Parierstange abgebrochen war, beschloss man nur noch den Hundekopf wieder anzubringen.
Eines Tages wurde dann die Klinge, vielleicht war sie gebrochen, auf die jetzige Länge gekürzt. Vorher war sie ungefähr 20 cm länger! Diese Kürzung sieht man auch gut an der Scheide denn das Ortblech ist im Verhältnis zur jetzigen Dimension der Scheide viel zu lang. Die neue Klingenspitze liegt jetzt in der Mittellinie, das heißt die Plaute ist, da sie nicht zu stark gekrümmt ist, nun auch als Hirschfänger einsetzbar.
Dass das Stück stark in Gebrauch war und stets scharf gehalten wurde, erkennt man daran, dass sich die Klingenbreite bereits in Griffnähe um rund 5 mm verjüngt.
Auf der Quartseite der Klinge hat sich dann noch schwer lesbar wahrscheinlich der Eigentümer, ein Heinrich H...., vermerkt.

Seit einigen Jahren ist nun der Lebensweg dieser Plaute in ruhigeres Fahrwasser geraten und sie wird nach all den Anstrengungen gebührend gepflegt.
Man sieht, dass ein solches Gebrauchsstück einiges von sich preisgeben kann.

Viele Grüße vom Jagdsammler Ebbe
»Jagdsammler« hat folgendes Bild angehängt:
  • DSCI0007a.JPG

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Jagdsammler« (4. Januar 2016, 19:53)


2

Montag, 6. Januar 2014, 21:12

Eine Jagdplaute mit "intensivem" Lebenswandel

Griffkappe und Parierstange, links der Bruch.
»Jagdsammler« hat folgende Bilder angehängt:
  • DSCI0011.JPG
  • DSCI0012.JPG

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Jagdsammler« (4. Januar 2016, 19:57)


3

Montag, 6. Januar 2014, 21:16

Eine Jagdplaute mit "intensivem" Lebenswandel

Die Griffkappe mit der Aussparung für den Bügel und der Namenszug auf der Klinge.
»Jagdsammler« hat folgende Bilder angehängt:
  • DSCI0010.JPG
  • DSCI0013.JPG

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Jagdsammler« (4. Januar 2016, 20:00)


4

Dienstag, 7. Januar 2014, 08:27

Ist schon interessant, was man durch intensive Beschäftigung mit einem alten Stück alles ans Licht bringen kann. Allerdings gehört dazu neben Erfahrung auch Geduld und Einfühlungsvermögen und das ist nicht jedem Sammler gegeben.

corrado26 :]

5

Dienstag, 7. Januar 2014, 20:47

Hallo corrado26

Danke! Ich weiß das Lob zu schätzen.

Grüße von Ebbe