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Dienstag, 27. September 2016, 21:54

Kantonale Briquets mit Griffen AN IX aus den wirren Zeiten 1804 - 1815

Die Schweizer Kantone waren 1798 - 1803 von französischen Truppen besetzt. 1803 hat Napoleon der Schweiz eine Verfassung diktiert, welche die Autonomie der Kantone wieder herstellte. Die Schweiz war ein zerstrittener Staatenbund mit divergierenden Interessen zwischen den Kantonen und politischen Spannungen innerhalb der Kantone. Erst der Wienerkongress von 1815 sprach der Schweiz ihre jetzigen Grenzen zu. 1815 kamen Genf, das Wallis und das Fürstentum Neuchâtel als die letzten drei Kantone zur Schweiz, die nun 22 Stände zählte.

Die Wiederherstellung der kantonalen Armeen konnte wegen fehlender Waffen und mangelnder Geldmittel nur in Ansätzen realisiert werden. Improvisation war gefragt.


Kantonales Briquet mit Griff AN IX, abweichender Rillenzahl und feinerem Parierstangenende
Der Griff weist 32 gleichmässige Rillen und eine breitere Rille über der Parierstange auf. Der Bügel ist flach und kantig. Zum Ende hin öffnet sich die Parierstange hornartig. Das Parierstangenende endet mit dem feinen Stift auf dem Pyramidenstumpf. Die Klingenlänge beträgt 58,5 cm. Übliche Lederscheide mit zwei Messinggarnituren. Auf dem Mundblech ist eine Öse angelötet, an dem ein Lederstrippchen aufgenäht ist. Damit wird die Scheide im Ledergehänge eingeschnallt. Keine Markierungen, weder auf der Klinge noch am Griff.
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Mittwoch, 28. September 2016, 10:15

Briquet mit Griff AN IX, Kanton Schwyz

Dieses Briquet hat eine schwere Keilklinge von 60,5 cm Länge, die aussergewöhnlich gut erhalten ist. Der Griff hat 37 schmale Rillen und über der Parierstange eine weitere, etwas breitere Rille. Auf dem Bügel ist der Buchstabe M eingeschlagen. Eine mögliche Deutung des Buchstabens M ist "Bezirk MARCH". Die Schweizer Kanone sind immer für Überraschungen gut. Im Kanton Schwyz waren bis nach 1852 die Bezirke für die militärische Ausrüstung verantwortlich. An der Einmündung des Bügels in die figurierte Griffkappe findet sich der Kantonsschlag Schwyz. Auch wenn der Kantonsschlag nicht präzise geschlagen ist, kann er aufgrund des Wappenumrisses zweifellos als Schwyzer Schlag identifiziert werden. Oben an der figurierten Griffkappe findet sich die Säbelnummer 36. Die Parierstange dieses Schwyzer Säbels ist etwas filigraner als ein vergleichbares französisches Modell (in Bild 36 oben Säbel Schwyz, unten Säbel Frankreich). Auch sind Parierstange und Bügel noch etwas platter als beim französischen Modell. Das Parierstangenende besteht beim Schwyzer Säbel aus einem Stiftchen mit gerundetem Ende, während beim französischen Modell als Ende deutlich eine Halbkugel erkennbar ist (Bild 37 rechts Säbel Schwyz, links Säbel Frankreich).
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Mittwoch, 28. September 2016, 10:29

Briquet mit Griff AN IX und wiederverwendeter und gekürzter Klinge aus dem 18. Jahrhundert

Die Klinge dieses Säbels ist mit einer Länge von 51 cm sehr kurz und auch kürzer als die Scheide. Es ist eine typische Klinge aus dem 18. Jh. mit Rückenhohlschliff. Der Griff hat nur 25 schmale Rillen und eine etwas breitere Rille über der Parierstange. Das Parierstangenende ist als Typ AN IX erkennbar, das Ende erweitert sich zu einem Pyramidenstumpf, der aber nur in einer Kuppel darüber endet. Die bei französischen Modellen vorkommende Halkugel auf der Kuppel ist bei diesem Griff weggelassen. Die Zierränder der Scheide sind ebenfalls typisch 18. Jh. und bei Infanteriesäbeln in der Zeit zwischen 1804 und 1815 nicht mehr anzutreffen.
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Mittwoch, 28. September 2016, 21:41

Briquet mit Griff AN IX und einer Klinge der Cavalerie légère

Ein ähnlicher Säbel, aber mit Inschrift, ist unter Nummer 413 S. 235 abgebildet in Lhoste Jean, Resek Patrick, sabres portés par l'armée française.

Der abgebildete Säbel hat einen Griff nach Art AN IX mit 34 schmalen und einer breiteren Rille. Die Klinge mit zwei breiten Hohlbahnen ist 75 cm lang. Die ehemalige Bläung ist nur als dunkler Teil erkennbar. Vergoldete Decormotive, aber keine Beschriftung auf der Klinge. Das Parierstangenende ist einmal abgebrochen und aufwändig repariert worden, nicht etwa angelötet, sondern mit einem eingefrästen Verbindungsstück zwischen den abgetrennten Teilen. Es scheint, dass Griff und Klinge zusammengehören und die Waffe aus dem privaten Handel stammt.
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Donnerstag, 29. September 2016, 09:47

Briquet mit Griff AN IX und wiederverwendete Klinge eines Säbels des Königreichs Sardinien-Piemont

Griff nach Briquet AN IX mit 32 Rillen. Der Die Klinge stammt vom Modello 8 luglio 1751 SABBRI DA REGGIE TRUPPE DI FANTERIA. Das sabaudische Königreich hat 1751 vier neue Säbelmodelle eingeführt. Diese unterschieden sich in den Griffen, hatten aber alle die gleiche Klinge. Das Königreich Sardinien-Piemont hatte auch Schweizer Regimenter angeworben, die zum Teil auch in der Leibgarde der Cento Svizzeri dienten. Die Klinge des Säbels misst 65 cm, sie wurde an der Spitze gekürzt. Die ursprünglichen Sabaudischen Säbel Modell 1751 wiesen einen 17,5 cm langen Rückenschliff auf, die ursprüngliche Klingenlänge betrug 74,5 cm. Auf der einen Seite der Klinge ist der Schriftzug VIVE LE ROY DE SARDAIGNE angebracht, auf der andern Seite das Wappen des Sabaudischen Königreichs, Adler mit Savoyer Kreuz, überhöht von Krone. Die Bestandteile der Scheide stammen nicht von dem Säbel Modell 1751.
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Donnerstag, 29. September 2016, 21:54

Briquet mit Griff AN IX mit Klinge eines Säbels eines ehemaligen Schweizerregiments in den Generalstaaten

Griff mit 37 schmalen Rillen und einer breiteren Rille über der Parierstange. Typische Klinge eines Infanteriesäbels aus dem 18. Jh. mit Rückenhohlschliff. Klingenlänge 63 cm. Die in der Klinge eingeschlagene Jahreszahl und die eingeschlagenen Ornamente lassen die Klinge zweifelsfrei als eine Klinge eines Säbels eines Schweizerregiments in den Niederlanden identifizieren.
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Sonntag, 9. Oktober 2016, 22:36

Säbel Briquet, Kanton Bern, mit betont überdimensioniertem Parierstangenabschluss

Das Zeughaus Bern war in jeder Hinsicht führend bei der Vorbereitung der Mustermodelle 1818. Aufgrund der Berner Klinge und vor allem wegen des eingeätzten schreitenden Bärs kann dieser Säbel als Berner Ordonnanz identifiziert werden. Die Klingenlänge beträgt 64,5 cm. Der Griff ist aus einem Guss gefertigt. Die Anzahl Rillen entspricht mit 31 der Anzahl Rillen bei den Mustermodellen. Ebeso wie bei den Mustermodellen sind die Rillen vorstehend. Das überdimensioniert aufgepilzte Parierstangenende findet sich auch auf französischen Blankwaffen aus der Zeit des Konsulats. Die Klinge ist originalvernietet. Ich habe noch nie ein gleiches Exemplar mit diesem Griff weder in Katalogen, Ausstellungen oder bei Sammlern gefunden.
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Sonntag, 9. Oktober 2016, 22:44

Säbel mit remontierter Klinge aus dem 18. Jh.

Die Klinge ist mit 64 cm Länge, der Wurzel und der Rückenrinne quasi identisch mit obigem Modell. Aufgrund der Schraubstock-Spur an der Wurzel und der angeschliffenen Vernietkuppel ist eine Remontage offensichtlich. Der Griff hat 37 schmale und eine breitere Rille.
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Montag, 10. Oktober 2016, 19:39

Hallo schmiede39,

das ist ja eine beeindruckende Variantenvielfalt!
Vielen Dank fürs zeigen und die Hintergrundinformationen.

Grüße vom Jagdsammler

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Freitag, 14. Oktober 2016, 13:36

Ja, danke fürs zeigen. Wieder etwas schlauer.
Schön das langsam wieder Leben ins Forum kommt.

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Freitag, 14. Oktober 2016, 18:42

Hallo Jagdsammler und hallo todiI
Eure Komplimente freuen mich sehr. Auch ich freue mich, dass wieder Leben ins Forum kommt. So macht es auch Freude, weitere Beiträge einzustellenl.