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Donnerstag, 19. Oktober 2017, 23:30

Säbel für Mannschaften der Artillerie, Sappeure, Pontoniere, Train und Jäger nach Muster 'Briquet' , Zürich

Gesamtlänge: 740 mm
Klingenlänge: 596 mm
Klingenbreite: 35 - 30 mm sich verjüngend
Länge der Scheide: 615 mm

Hersteller: unbekannt

Wappen des Kantons Zürich mit ZZ - Zeughaus Zürich in der rechten
oberen Wappenhälfte und Stücknummer 23. auf der Parierstange

Messinggefäss aus einem Guss mit Griffbügel in Parierstange mündend
gerillter Griff ( 27 Rillen, 28 Rippen ), Parierstange abgebogen, tropfenförmiger Endknopf
einschneidige, blanke, leicht gebogene Keilklinge ohne Hohlschliff
Angel auf dem Griffkopf vernietet, kein Griffniet erkennbar
schwarze Lederscheide, auf der Außenseite verdrahtete Messingmontur
Ortblech mit Ortknopf, Mundblech ohne Deckplatte
angenähter, weißer Befestigungsriemen an angelöteter Tragöse
»joehau« hat folgende Bilder angehängt:
  • Ord.1842-52 Zuerich Briquet a.jpg
  • Ord.1842-52 Zuerich Briquet d.jpg
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Samstag, 21. Oktober 2017, 18:59

Für die schweizerischen 'Briquet' kursieren die Bezeichnungen Ord. 1817 und Ord. 1842/52.
Leider konnte ich noch nicht herausbekommen, worin der Unterschied besteht, oder ob es
sich überhaupt um 2 verschiedene Modelle handelt.

Wie kam es zu der Bezeichnung Ord. 1842/52 ?

Vielleicht kann z.B. schmiede39 dazu noch etwas beitragen.


Gruß Jörg

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Montag, 23. Oktober 2017, 11:12

Briquets nach Ordonnanz 1817 und nach Ordonnanz 1842/52

Guten Tag Joehau, es freut mich sehr, dass du dich für die Schweizer Briquets interessierst. Du zeigst uns auch ein sehr schönes Exemplar der Ordonnanz 1842/52. Vielen Dank. Ich gebe dir gerne eine etwas umfassendere Antwort auf deine Fragen. Zitate hae ich kursiv oder in Grossschrift angegeben.



BRIQUETS DER ORDONNANZ 1817


Die Ordonnanz von 1817 beschreibt das Briquet als EIN SÄBEL oder als SÄBEL. Grund für das Fehlen jeglicher Beschreibung ist die damalige Arbeitsweise mit Musterexemplaren. Jeder Kanton erhielt ein Musterexemplar zugestellt. Da die Kantone selber die Ankäufe tätigten, erreichte man immerhin eine Einheit in der Vielfalt. Wie an anderer Stelle von mir ausgeführt, hatten die Musterexemplare 32 oder mehr Rillen, die über der figurierten Griffkappe vorstanden. Nur wenige Kantone hielten sich genau an das Musterexemplar.

Die Kantone kauften Briquets von verschiedenen Herstellern. So finden wir als Varianten Griffe mit 24 schmalen und einer breiten Rille, 25 schmalen und einer breiten Rille, 26 Rillen, 27 schmalen und einer breiten Rillen, natürlich 28 Rillen und auch 29 Rillen. Die Klingen variierten in Länge und Beschaffenheit. Die meisten Kantone hielten sich an die Vorgaben und kauften Briquets mit Keilklingen. Die Kantone Vaud, Basel Landschaft, Zug, Tessin und Neuchâtel – vielleicht noch andere - jedoch schafften auch Briquets mit beidseitigen breiten Hohlrinnen an. Ein Kennzeichen der meisten Briquets der Ordonnanz 1817 ist die Klinge ohne Wurzel. Unter der Bezeichnung Schweizer Briquet nach Ordonnanz 1817 werden Briquets mit einem oder mehreren der beschriebenen Merkmale zusammengefasst.



BRIQUETS DER ORDONNANZ 1842/52


Briquets der Ordonnanz 1842/52 entsprechen dem französischen Briquet 1816. Es gibt keinen Unterschied zwischen 1842 und 1852. Während es beim Modell 1817 dutzende von Varianten gibt, ist eine Sammlung mit einem einzigen Exemplar der Ordonnanz 1842/52 schon abgedeckt.

Die Bezeichnung 1842/52 ist historisch zu verstehen: 1842 verabschiedet die Tagsatzung ein neues Reglement. Das Briquet wird dort ausdrücklich erwähnt: DER SÄBEL (BRIQUET) NACH FRANZÖSISCHEM MODELL VON 1816. Der französische Sabre d’infanterie, modèle de 1816 hat einen Messinggriff aus einem einzigen Block mit 28 Rillen, die Klinge ist 59,55 cm lang und an der Wurzel 3,6 cm breit, die Krümmung beträgt 2 cm. Die Waffe wiegt 1,34 kg.
1844 wurden die Musterexemplare des Säbelmodells an die Kantone verschickt. Sie entsprachen in allen Details und auch im Gewicht dem französischen Infanteriesäbel 1816.

1845 erschien das Allgemeine [i]Militär-Reglement für die Schweizerische Eidgenossenschaft, vom 20. August 1817. Neue Originalausgabe, bearbeitet mit Berücksichtigung der bis zum 14. August 1845 durch die Tagsatzung beschlossenen theilweisen Modifikationen jenes Reglementes[/i].
Das Reglement von 1817 hatte mit wenigen Änderungen immer noch Bestand. Das Reglement nimmt in Details Bezug auf das Reglement1842. Weil die Säbel schon 1842 beschrieben wurden, gibt es für Säbel nur zwei Bezeichnungen, nämlich der kurze Säbel und Kavalleriesäbel.

Die Ordonnanz 1842 bzw. 1845 konnte nicht realisiert werden, weil der Sonderbundskrieg dazwischen kam. 1848 wurde dann die Schweiz als Bundesstaat gegründet und entsprechend wurde auch die Armee neu organisiert. Die Ordonanz von 1852 übernahm die bereits 1842 neu zur Ordonnanz erklärten Waffen. Das Briquet wird in §.215. a. wie folgt beschrieben[i]: Ein kurzer Säbel, dessen Klinge von Stahl ohne Hohlkehlen noch Rinnen, 59,4 cm lang, in der Mitte 3,3 cm breit. Pfeilhöhe der Krümmung in der Mitte 2,1 cm, beim Gefäss 9 mm dick. Das Gefäss von Messing mit einem Bogen aus einem Stück.[/i]
[i]b. Die Scheide von schwarzem Leder mit einem messingenen Stiefel und einem messingenen Mundstück, an welchem eine Strippe von weissem Büffelleder befestigt ist[/i].
Die Masse des französischen Infanteriesäbels 1816 wurden somit als neue Ordonnanz 1852 unverändert als Schweizer Ordonnanz bestätigt.

Bezeichnend an der Ordonnanz 1852 ist, dass nun Klingen mit Rückenrinnen und Hohlbahnen ausdrücklich ausgeschlossen sind. Die Scheiden weisen am Mundstück einheitlich einen Steg auf, an dem ein Lederriemchen zum Anschnallen an der Tragtasche angenäht ist. Der Steg ist bei den schweizerischen Modellen nicht so nahe am Rand des Mundstücks angelötet wie bei den französischen Modellen. Die Abweichungen zum französischen Modell im Millimeterbereich ergeben sich aus den Umrechnungen, denn die Reglemente von 1842 und 1852 rechneten noch nicht im Metermass.

Die Ordonnanz 1842/52 nahm für die Beschreibung des Briquets den zu dieser Zeit im Handel gängigen Briquet Typ auf. Verschieden Kantone, so z.B. Luzern 1837, hatten bereits vor 1842 Briquets mit den dann 1842/52 vorgeschriebenen Massen angeschafft. In der Schweiz galten neue Reglement nur für Neuanschaffungen. Alte Modelle blieben im Dienst. Bei der Abschaffung der Briquets 1867 fanden sich in den kantonalen Armeebeständen immer noch Briquets nach Ordonnanz 1817.



DIE ABSCHAFFUNG DER BRIQUETS (Quelle: ASMZ 1968)


Am 21. Dezember 1867 verfügte der Bundesrat (Bundesgesetz betreffend einige Abänderungen in der Bekleidung und Ausrüstung des Bundesheeres): DER KURZE SÄBEL FÄLLT BEI ALLEN GEWEHRTRAGENDEN WEG. STATT DESSELBEN IST BEI DEN NICHT GEWEHRTRAGENDEN STELLEN UND GRADEN DER FUSSTRUPPEN, DER OFFIZIERE AUSGENOMMEN, DAS FASCHINEMESSER EINZUFÜHREN.

Die Abschaffung der kurzen Säbel war definitiv. Im Kreisschrieben des eidgenössischen Militärdepartementes an die Militärbehörden der Kantone vom 13. Februar 1868 bestätigte das Militärdepartement zwar die von alters her übliche Vorgehensweise, dass die Kantone berechtigt sind, die noch vorrätigen Bekleidung- und Ausrüstungsgegenstände alter Ordonnanz zu verteilen. Das galt aber nicht für die kurzen Säbel. Ausdrücklich ausgenommen von den Gegenständen alter Ordonnanz, die noch abgegeben werden durften, war neben den Epauletten für Offiziere und den Reiterpatronentaschen auch der Säbel für Gewehrtragende. Somit fand die lange Karriere des Briquets im Schweizerischen Bundesheer nach 50 Jahren ein Ende.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »schmiede39« (23. Oktober 2017, 11:24)


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Montag, 30. Oktober 2017, 15:04

Unterschied zwischen den Modellen 1817 und den Modellen 1842/52

Bei den Briquets mit Keilklingen ist die fehlende oder vorhande Wurzel ein untrügliches Merkmal. Die Modelle nach Ordonnanz 1817 haben meist leichtere Klingen ohne jeden Ansatz von einer Wurzel. Die späteren Modelle nach Ordonnanz 1842/52 haben eine sehr ausgeprägte Wurzel an der Klinge. Die Klingen der Ordonnanz 1842/52 sind in der Regel schwerer als die 1817er Klingen, weil sie einen breiteren Rücken aufweisen, der bis zu 1 cm mächtig sein kann.

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Montag, 6. November 2017, 04:45

Hallo schmiede39,

allerbesten Dank für Deine ausführliche Antwort !

Da bleibt keine Frage offen.


Gruß Jörg

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Mittwoch, 29. November 2017, 22:28

Jetzt habe ich doch noch eine Frage:

Das schweizer 'Briquet' folgt offensichtlich dem Muster Sabre d'Infanterie An XI.
Das Jahr 'An XI' nach dem Revolutionskalender ist aber nicht das Jahr 1816 sondern 1802/03.
Wie kam es zu der Bezeichnung 1816 für das 'Briquet' ?

Das franz. Mle.1816 ist ein Faschienenmesser ( Glaive d'Artillerie a pied ).

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »joehau« (29. November 2017, 22:36)


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Donnerstag, 30. November 2017, 20:32

Hallo joehau, seit Jahren versuche ich mit Sammlern und Forschern den Spuren der Schweizer Briquets zu folgen. Dabei sind noch viele Fragen offen, doch einige Erkenntnisse sind klar.

Wir müssen uns von der Vorstellung eines Schweizer Briquets lösen. Vor 1817/18 haben die Kantone die leeren Zeughäuser wieder bestückt. Als Infanteriesäbel beschafften sie kurze Säbel mit ein- oder zweiteiligen Griffen in der Art des französischen Säbels für Grenadiere 1767. Zahlreiche Säbel aus dem 18. Jh. mit Rückenrinne wurden umgerüstet und mit solchen neuen Griffen versehen. Neuanschaffungen von Kurzsäbeln mit Winkelbügel erkennt man meist an der Keilklinge.

1817 hat die Eidgenössische Armee als Kurzsäbel für Artillerie und Infanterie ein Briquet (mit Rundbügel) vorgeschlagen. 1818 wurden die Mustermodelle an die Kantone verschickt. Diese Musterbriquets gleichen im Griff mit den über die figurierte Griffkappe vorstehenden Rippen mehr dem holländischen Briquet als dem französischen. Auch die Klinge ist etwas leichter als bei den französischen Modellen aus dieser Zeit. Die Kantone gingen pragmatisch vor, sie beschafften einfach Briquets, egal wie sie aussahen, und bezogen diese vor allem von verschiedenen Fabrikanten in Solingen. Die eidgenössische Armee war zufrieden, war doch immerhin in der Vielfalt eine Einheit erreicht worden.

In der langen Zeit von 1818 bis 1842 wurde kein neues Briquetmodell vorgeschlagen. Jeder Kanton hat die Waffen selber beschafft. Je nach Lieferant weichen die Briquets im Detail voneinander ab. Selbst der "Musterkanton" Bern, dessen Zeughaus die Modelle gefertigt hat, beschaffte in den spätern 1820er Jahren Briquets, die wohl mehr als 30 Rippen aufwiesen, aber nicht mehr vorstanden. Dann gab es Kantone, die Briquets aus Klingenthal oder Châtellerault kauften, die entsprechen dann ziemlich genau den französischen Briquets. Die Eidgenössische Armee war eine Kontingentsarmee, die sich aus zahlenmässig genau vorgeschriebenen kantonalen Einheiten zusammensetzte. Für die Forschung ist vor allem die Tatsache von Bedeutung, dass es keine Eidgenössische Waffenkontrolle gab, die alle Details überprüfte, und die einzelnen Kantone frei waren im Einkauf.

1842 wurde die Bewaffnung neu geregelt, wie oben bereits von mir erwähnt. Und da taucht erstmals ein Bezug zu einem französischen Briquetmodell auf:
1842 verabschiedet die Tagsatzung ein neues Reglement. Das Briquetmodell wird dort ausdrücklich erwähnt: DER SÄBEL (BRIQUET) NACH FRANZÖSISCHEM MODELL VON 1816.

Die Franzosen haben ja ihre Briquets einigemale abgeändert. Bekannt ist ja die Einführung von Modell AN IX mit 36 Griffwülsten, bei dem sich das Parierstangenende trichterförmig etwas weitet und mit einer Kuppel abgeschlossen wird, Klingenlänge 59,8 cm. Dann die Änderungen AN XI, Griff gleich wie AN IX, Klinge aber auf 54,1 cm gekürzt und Befestigungsart der Scheide mit Steg und Lederstrippchen. AN XIII bringt dann das Briquet mit den auf 28 reduzierten Griffwülsten und der auf 59,55 cm verlängerten Klinge. In der Restauration folgte dann unter der Bezeichnung sabre d'infanterie, modèle de 1816 - eine Kreation, die kaum Änderungen im Vergleich zum Vorgängermodell brachte ausser vielleicht der Verschiebung des Stegs zum Scheidenmund hin. Es ist richtig, dass 1816 der sabre d'artillerie à pied eingeführt und vom folgenden Jahr an produziert wurde. 1816 wurden wie erwähnt auch eine neue Vorschriften für das Briquet erlassen. Das französische Briquet nach Modell 1816 hat 28 Rippen (Cannelures), Klingenlänge unverändert 59,55 cm, Gewicht 1,34 kg, also ziemlich schwer mit einer deutlichen Wurzel. 1818 erfolgten die entsprechenden Bestellungen exklusiv in Klingenthal, ab 1820 erhielt auch Châtellerault Briquet Aufträge. Ab 1820 wurden die Scheidengarnituren nicht mehr geleimt, sondern geklammert. 1831 wurden die Briquets durch den sabre-glaive ersetzt und gingen an die Garde nationale.

Es ist bemerkenswert, dass die Schweiz sich 1842 auf ein französiches Modell bezieht und sich dieses Modell weiterhin beschafft, obschon das Briquet im Jahre 1842 in in der französischen Armee schon seit 10 Jahren nicht mehr in Gebrauch war.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »schmiede39« (1. Dezember 2017, 11:00)


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Freitag, 1. Dezember 2017, 12:31

... der Säbel (Briquet) nach französischem Modell von 1816

Weil sich der Text des Beschlusses ausdrücklich auf das 'französische Modell 1816' bezieht,
habe ich erstmal nachgeforscht, was es mit dem Modell auf sich hat, bzw. wie es sich
vom AN XI unterscheidet. Weder das Modell AN XIII noch das Mle. 1816 sind mir geläufig.
Ich habe auch weiter nichts dazu gefunden. Aber wenn die Unterschiede so minimal sind,
werden die wahrscheinlich in der Regel einfach unter AN XI abgehakt.

Wieder was dazu gelernt !