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Donnerstag, 11. Januar 2018, 17:31

Mir unbekannte Variante des französischen Grenadiersäbels M 1790

Hallo Sammlerkollegen,

ich brauche Eure Hilfe bei der Identifizierung einer mir unbekannten Variante des Französischen Grenadiersäbels M 1790. Ich kenne das Modell 1790 nur mit leicht gebogener Klinge. Das vorliegende Stück habe ich vor kurzem in Frankreich erworben. Meine Frage lautet, kennt jemand diese Variante und in welchen Einheiten der Infanterie wurde sie benutzt? Es befinden sich leider keine Punzen oder sonstige Markierungen auf der Klinge oder dem Griff. Ich habe schon im Vorfeld ein bisschen recherchiert, aber leider nichts brauchbares gefunden. Ich bin für jeden Hinweis dankbar!

Gesamtlänge: 770 mm

Klingenlänge: 645 mm

max. Klingenbreite: 30 mm

Gerade einschneidige Klinge mit beidseitigem Zug, Messing Bügelgefäss mit gerillter Griffhülse (19 Rillen), leider fehlt die Lederscheide.

Viele Grüße

Fagan
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Freitag, 12. Januar 2018, 18:57

Hallo Fagan, das ist ein sehr schönes Beispiel eines Säbels aus dem 18. Jh., der mit einem "moderneren" Griff wiederverwendet worden ist.

Meiner Ansicht nach handelt es sich nicht um eine französische Armeewaffe. Die französischen Grenadiersäbel Modell 1767 mit dem zweiteiligen Griff und Winkelbügel haben wesentlich massivere und schwerere Griffe. Die französischen Säbel aus dieser Zeit haben Keilklingen und sind bis zure Revolution mit GRENADIER beschriftet und weisen das verschlungen Doppel L, das Monogramm des Königs Ludwig auf.

Die zierlicheren Griffe nach Modell 1767 sind vor allem in der Schweiz verbreitet. Nach dem Abzug der französischen Truppen 1804 bekamen die Schweizerischen Kantone ihre Autonomie unter französischer Vorherrschaft wieder zurück. Die Zeughäuser waren leer und die Staatskassen geplündert. Weil Geld für Neukäufe fehlte, wurden in Massen alte Infanteriesäbel modernisiert. Belege dafür finden sich vor allem in den Zeugamtsrechnungen der Kantone Bern und Zürich. Die Schweiz hat keine Klingen produziert, aber in allen Stadtkantonen gab es zahlreiche Degenschmiede, die auf Reparieren von Griffwaffen und vor allem auf Gefässmontur spezialisiert waren. Die Klingen wurden seit dem 18. Jh. aus Solingen oder Klingenthal bezogen. Dabei kommen einerseits die zweiteiligen Griffe vor wie von dir abgebildet. Anderseits - besonders bei Neuanschaffungen - waren die Griffe einteilig aus einem Guss. Neuanschaffung sind bekannt vom Kanton Zürich und vom Kanton Fribourg und von Appenzell Ausserrhoden. Diese säbel sind mit Kantonspzunzen versehen und als solche eindeutig indentifizierbar..

All diese zahlreichen Varianten von Säbeln mit Winkelbügel laufen in der Schweiz unter dem Sammelbegriff Ordonnanz 1804.

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Freitag, 12. Januar 2018, 20:53

Hallo Schmiede,

vielen Dank für Deine ausführliche und sehr interessante Antwort! Das der Säbel eine Marriage ist, habe ich mir schon gedacht. Ich hatte zuerst vermutet, dass er in der Zeit der Revolution für eine französische Miliz-Einheit oder Stadtwache gefertigt wurde.
Ich finde es sehr interessant, dass der Säbel sehr wahrscheinlich aus der Schweiz stammt. Ich wohne nahe der Grenze zur Schweiz und habe einige Schweizer Bajonette in meiner Sammlung. Zum Säbel möchte ich noch sagen, dass es sehr Schade ist das keine Punzen zu finden sind die eine genauere Eingrenzung ermöglichen. Aber dennoch gefällt mir der Säbel sehr gut, da er sich zwischen meinen anderen Säbeln der Napoleonischen Epoche gut einfügt.

Viele Grüße

Fagan

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Fagan« (12. Januar 2018, 21:18)


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Dienstag, 6. Februar 2018, 06:49

Bild zu Frankreich 1767
»Rothbarsch« hat folgendes Bild angehängt:
  • 127_Frankreich Grenadiersäbel M 1767.jpg