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Samstag, 18. Februar 2017, 21:14

Scharfschützenweidmesser 18. Jahrhundert. Kanton Zürich 1770 und später.

Salomon Landolt (1741-1818) hat um 1770 ein selbst finanziertes Jägerkorps aufgestellt, die Landoltschen Jäger. Landolt war von 1781 bis 1787 Landvogt in Greifensee, danach in Eglisau. Bei der Aufstellung des Zürcher Jägerkorps orientierte sich Landolt vor allem an preussischen Vorbildern. Im Gegensatz zur Linieninfanterie agierten die Scharfschützen nicht in starren Linien, sondern gaben aus der Deckung wohl gezielte Einzelschüsse ab. Die Landoltschen Jäger wurden so populär, dass nach der Napoleonischen Besetzung der Schweiz die Kantone ihre Schwerpunkte bei der Wiederaufrüstung auf die Scharfschützen gelegt haben. Landolt gilt als der Urvater der Schweizer Scharfschützentruppen. Die Scharfschützen waren der grosse Stolz der Kantone und diese haben die Selbständigkeit und die besondere Ausrüstung und Bewaffnung ihrer Scharfschützen gegenüber dem Bund eifersüchtig gehütet. Erst 1875 wurden die Scharfschützen in die Linieninfanterie als "Schützen" integriert". Sie behielten noch bis 1914 ihren dunkelgrünen Waffenrock, nachher waren die "Schützen" in den Infanterieverbänden nur noch Tradition.

Die Landoltschen Jäger wurden 1770 mit einem sehr speziellen Weidmesser ausgerüstet. Es ist aufwändig gemacht. Der Griff besteht aus einem Stück Hirschhorn, dessen natürliche Form die Biegung des Griffs bestimmt. Die Angel führt durch das Hornstück. Über der Parierstange steckt das Hornstück in einer becherartigen Fassung. Oben endet es in einer Deckplatte mit Vernietknäufchen. Oft weisen die Deckplatten ein konzentrisches Strahlenmuster auf. Auffällig sind der gewinkelte Verlauf von Bügel und Parierstange und die sehr dekorative Muschel mit den konkaven Rinnen. Die Klingen sind immer verziert. Häufig sind kommen magische Zahlen mit der Quersumme eins vor und der springende Fuchs.

Mit dem Übergang vom Privatkorps zur ordentlichen zürcherischen Scharfschützeneinheit wurden die Zürcher Scharfschützen ab etwa 1778 mit einem Weidmesser ausgerüstet, das wesentlich weniger aufwändig ist. Der Griff besteht aus zwei Hornplatten, die beidseitig mit drei grossen Messingnieten festgehalten werden. Die Parierstangen sind symmetrisch als Kölbchen angeordnet. Die Klinge ist wesentlich wuchtiger als beim zierlichen Landoltschen Weidmesser. Die Klinge ist 44 cm lang und an der Wurzel 3,8 cm breit. Der Rücken ist rund, vor dem Ort geht der Rundrücken auf 9 cm Länge in eine Rückenschneide über. Die Klingen zeigen beidseitig das Wappen von Zürich mit dem Löwen als Wappenhalter. Darüber eine Krone als Zeichen der Souveränität. Diese Form von Weidmesser erlebte in den 1830er Jahren in allen Kantonen eine Wiederauferstehung.
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Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »schmiede39« (19. Februar 2017, 16:11)


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Sonntag, 19. Februar 2017, 16:18

Zürcher Scharfschützen Weidmesser ab 1778

Die Bilder
»schmiede39« hat folgende Bilder angehängt:
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  • Of Kav 67 057.JPG

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Dienstag, 21. Februar 2017, 06:19

Guten Morgen schmiede39,

danke für den Beitrag und die guten Bilder.
Was mir noch niemand richtig erklären konnte, warum ist auf den Klingen aus Zürich zu dieser Zeit ein Kurhut ?

Gruß Rothbarsch

4

Dienstag, 21. Februar 2017, 11:15

Guten Tag Rotbarsch, danke für dein Interesse und das Kompliment.
Die Krone über dem Wappenlöwen von Zürich sieht aus wie ein Kurhut. Das ist aber nur ein Problem der Darstellung, gemeint ist wirklich eine Krone. Die Krone ist eines der Insignien neben Liktorenbündel, Degen und Zepter, mit der sich vor allem die städtischen aristokratischen Republiken in der Schweiz im 18. Jahrhundert ausdrückten. Das Liktorenbündel ist das Zeichen der Republik. Das Gleichheitsprinzip galt aber nur für die im gleichen Stand geborenen Männer und für die an der Tagsatzung gleichgestellten Orte. Zepter und Degen waren die Insignien der staatlichen Macht.
Die Krone war früher (eigentlich bis 1648) Zeichen der unmittelbaren Zugehörigkeit zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Danach diente die Krone als Zeichen der kantonalen Souveränität, der gemeinsamen Freiheit gegen aussen.

5

Dienstag, 21. Februar 2017, 20:56

Hallo schmiede39,

auch von mir einen herzlichen Dank für den interessanten Beitrag und die Bilder der schönen Stücke!
Zu den Klingen mit magischen Zahlen und Wolfsdarstellung (ja es soll ein Wolf sein) wäre noch zu erwähnen, dass es sich um Solinger Produkte handelt die mit den Meistern Abraham und Johann Berg, Teschen und Sohn, Peter Mumm, Beyersberg und Abraham Martens in Verbindung gebracht werden. Siehe hierzu: "Hirschfänger" von Herbert H. Westphal Seite 402.

Viele Grüße vom Jagdsammler

6

Mittwoch, 22. Februar 2017, 09:58

Der Wolf

Hallo Jagdsammler, herzlichen Dank für die Informationen zur Klinge. Hier noch das Bild zum Wolf.
»schmiede39« hat folgendes Bild angehängt:
  • HirschfängerLandolt 055_bearbeitet-1.jpg

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Donnerstag, 23. Februar 2017, 06:13

Hallo schmiede39, guten Morgen Blankwaffenfreunde,

danke für die Erklärung mit der Krone. Mir wurde auch schon gesagt, das hinge mit den Zähringern zusammen. Was ich aber nie so richtig geglaubt habe.
Diese Klingen mit dem geätzten Wolf kenne ich nur von schweizer Blankwaffen. Nur in der Schweiz gibt es Ordonanzwaffen mit diesem Wolf. Auf gekürzten Degenklingen taucht er bei Hirschfängern auf. Aber meist nur in Süddeutschland oder Österreich. Dazu wird er oft als Passauer-Wolf bezeichnet,welcher aber deutlich füher verwendet wurde und der auch nicht geätzt sondern eingemeiselt war.
Gruß
Rothbarsch
»Rothbarsch« hat folgendes Bild angehängt:
  • 393_Löwenk-pallasch g.jpg
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