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Dienstag, 14. Februar 2012, 10:54

k.k. Staatsbeamtensäbel M1889

k.k. Staatsbeamtensäbel M 1889


Unglaublich, aber wahr…
Ich habe bis dato wirklich einfach vergessen, diesen Staatsbeamtensäbel zu präsentieren. Natürlich ist dieser Säbel relativ häufig bei uns im Forum vertreten, gerade dieser hier ist mir aber wichtig. Denn er hat einiges erlebt (deshalb sieht man ihm das auch an…) und ist ein so genanntes Familienstück. Leider hat mein Onkel ihn irgendwann zwischen 1956 und 1970 zuvor mit neuem Scheidenleder versehen lassen, bevor er ihn mir 1989 noch vor seinem Ableben als Weihnachtspräsent geschenkt hat. Auch, wie mir dabei mitgeteilt wurde, wäre vorher im Scherz mit ihm gefochten worden, na ja….. :wacko:
Heute wäre es mir eher lieber, wenn nicht, aber so was haben so ältere Sachen halt einmal an sich, dass sie oft nicht makellos sind und das tut der Wertschätzung keinen großen Abbruch.



Zur Leidensgeschichte dieses Säbels in kurzen Umrissen und Allgemeines:

Leider weiß ich nicht mehr ganz exakt, wer genau von der Familie ihn geführt hat, aber fest steht in jedem Fall, dass er mit Niederösterreich verbunden ist.
Vor 1918 tat dieser Säbel Dienst in Wien. Nach dem Ende der ö.-u. Monarchie wurde er in Niederösterreich aufbewahrt und unmittelbar nach dem März 1938 vor den politischen Umstürzen und Wirren auf einem Heuboden versteckt. Hier überdauerte er, mittlerweile vergessen, auch die nachfolgende schwere Besatzungszeit und wurde nach Aufgabe des landwirtschaftlichen Betriebes um 1956 (zu meiner nicht kleinen heutigen Freude) wiederentdeckt, zierte die Wände der Verwandten, bis er den Weg 1989 also als M1889 nach exakt 100 Jahren -Zufall?? letztendlich zu mir gefunden hat.

Der k.k. Staatsbeamtensäbel Muster 1889 ersetzte durch eine auf Allerhöchster Entschließung resultierende Verordnung des Gesamtministeriums vom 20. Oktober 1889 Nr. 176 weitgehend den Staatsbeamtendegen M1849 für die Staatsbeamten (Ministeriumsabhängige Ausnahmen blieben weiter aufrecht, der M1849 wurde partiell weiterverwendet) Der Staatsbeamtensäbel M 1889 wurde bis 1918 (im Unterschied zu den Militärbeamten ab 1908—siehe verwandtes Thema: Degen M1849/90 für k.u.k. Militärbeamte) ohne Portepee geführt (Staatsbeamte, die eine Reserveoffizierscharge hatten, trugen bei feierlichen Anlässen daher auch gerne die militärische Offiziersuniform anstelle des auch kleidsamen Beamtenkleides :D .
Der Säbel durfte nur für den internen Bürodienst abgelegt werden, sonst im Dienste nicht. In der Öffentlichkeit hatte der kk Staatsbeamte auf alle Fälle diesen Säbel sichtbar zu führen.

Interessant ist, dass dieser Typus fallweise auch mehr oder weniger variiert von kk Eisenbahngesellschaften oder Feuerwehroffizieren oder sonstigen beamten (z.B. Stadt Wien) verwendet worden ist. Der kk Staatsbeamte grüßte durch Salutieren und trug eine dunkelgrüne (Staatsgrün, eigentlich fast ein schwarzgrün) Dienst-u. Galauniform mit goldenen Knöpfen mit dem Doppeladler. Die Unterscheidung der Ministeriums- bzw. Behördenzugehörigkeit erfolgte durch die verschiedenfarbigen Egalisierungen (bei Galauniform in Samt), der Rang wurde durch goldene od. silberne Rosetten bzw. Borten abgebildet (im Unterschied dazu MilBea durch Sternrosetten und Militär durch Sterne)

Verwendung nach 1918:
In der ersten Republik bzw. im Bundesstaat Österreich (ab 1934) änderte sich dies. Nach 1918 wurde nämlich durch die Änderung der politischen Verhältnisse vorerst gar kein Säbel geführt, später durfte wieder dieses Muster verwendet werden. Der Säbel konnte bis 1938 an einer Säbelkuppel, wie schon vor 1918 und für kuk Offiziere vorgeschrieben gewesen (goldene Borte mit schwarzem Mittelstreifen) weiter getragen werden.


Die Reglementierung der Adjustierung f. Zivilbeamte erfolgte nach 1918 spät, erst 1933 bzw. 35. Da wurde erstmals ein Portepee für Zivilbeamte eingeführt. Der Säbel wurde nach 1918 von zivilen Beamten der Verwendungsgruppen 5-8 geführt. Beamte der VerwGrp 5,6 hatten das Portepee aus Silber, VerwGrp. 7, 8 aus Gold. Das Portepee für Beamte nach 33 war offen, der Knopf schachbrettartig mit Gold oder Silber überflochten, auf einer Seite der in Gold geflochtene Wappenadler (nach 34 nimbierter Doppeladler Ständestaat), auf der anderen Seite ein kreisrundes Emailschild rot-weiß -rot. Das Portepeeband (silber oder golden nach Verwgrp)war in der Mitte mit einem roten Mittelstreifen versehen und unterschied sich so deutlich erkennbar vom gleichfalls goldenen Portepee der Offiziere des Bundesheeres.

Der Säbel selbst:
Die Metallteile des Säbels selbst zeigen noch größere Reste der ehemaligen Feuervergoldung; Korb mit Doppeladler, diverse Arabesken und Verzierungen. Messingdrahtwickelung beschädigt; Griff mit geschwärzter Fischhaut; Die Klinge ist vernickelt und weitgehend unversehrt erhalten. Mundstück der Scheide mit Allerhöchstem Namenszug FJ1. und österr. Kaiserkrone; das schwarze Scheidenleder wurde um 1956/70 fachgerecht erneuert; Entstehungszeit des Säbels zwischen ca. 1890 u. 1916. Beidseitige Verzierung mit dem Doppeladler bzw. dem Allerhöchsten Namenszug FJ1.

Marken:
TILLER&Co WIEN STIFTSKASERNE; --siehe Briefkopf von (anderer zeitgenössischer) Rechnung Bild
Moritz Tiller u.Co. FirmeninhaberM.Tiller-J.Toffler Wien; VII/2. Mariahilferstr.22 Stiftskaserne "Zur Kriegsmedaille" Wien
kuk Uniform-Hof-Lieferanten und Kammerlieferanten Telephon 1636 Lieferant Obersthofmeisteramt, kuk Trabantenleibgarde usw usw; Filialen in Graz, Lemberg, Belgrad, Linz, Olmütz, Przemysl, Czernowitz.

Das renommierte Geschäft dürfte bis in die 1970er Jahre existiert haben. Die ehem. Räumlichkeiten dieser Firma beherbergen momentan eine Filiale einer Fast Food-Kette.

Hugo Weyersberg & Sohn Solingen
Unter den unterschiedlichen "Weyersbergs" ist die Bezeichnung Hugo Weyersberg vergleichsweise seltener anzutreffen. Nach meiner Erfahrung und gesichteten Realstücken glaube ich, dass Hugo Weyersberg auf keiner Klinge vor ca. 1889 auftaucht.
Vielleicht hat noch jemand weitere Informationen zu den spärlich vorhandenen von H.Weyersberg


Maße (in Klammer die jeweiligen Maße nach der Vorschrift von 1889):

GL: 85,6 cm
KL: 68,5 cm (73)
KB: 2,4 cm (2,4)
LoS: 83,0 cm
SL: 70,5 cm
Gew. der Scheide: 396 Gr.
Gesamtgewicht: 1.015 Gr.


Anbei div. Bilder, u.a. auch Bild TILLER und kk Staatsbeamter und Braut im Jahre 1900 mit M 1889

LG G. :]
A.E.I.O.U.

2

Dienstag, 14. Februar 2012, 11:17

noch weitere Bilder...
LG G. :]
A.E.I.O.U.

3

Dienstag, 14. Februar 2012, 13:00

Ja, was sagen ? Immer wenn ich denke das ist deiner Höhepunkt, du hast neues Überraschung. Mein lieber Freund - Du bist ein Wunder :P !!!
Entschuldigen Sie bitte für schlechtes Deutsch.


Grüße aus Kroatien

Chombe

4

Dienstag, 14. Februar 2012, 13:07

Ja, lieber Zlatko, ich hatte wirklich vergessen :sleeping: , dass ich diesen noch nicht gezeigt hatte, wahrscheinlich-, eben weil er ein Familienstück ist, aber mir gefällt er deshalb, weil er einiges er--und vor allem die stürmischen Zeiten überlebt hat.
LG G. :]
A.E.I.O.U.

5

Dienstag, 14. Februar 2012, 14:12

Hallo Gerhard

Tolle Bilder, tolle Historie, wissenswerte Hintergrundinformation zum Muster und den Verwendungen und vorallem - wirklich schöner Säbel mit (sehr wichtig weil unwiederbringlich) toll erhaltener Feuervergoldung!!! Schön wenn man sowas aus der Familie hat.

Servus

Alex

6

Dienstag, 14. Februar 2012, 16:21

Ich danke Dir für Deinen lieben Kommentar zum Thema, danke Alex!!!! :]
Servitore
LG G.
A.E.I.O.U.

7

Mittwoch, 15. Februar 2012, 12:41

Hugo Weyersberg & Sohn Solingen
Unter den unterschiedlichen "Weyersbergs" ist die Bezeichnung Hugo Weyersberg vergleichsweise seltener anzutreffen. Nach meiner Erfahrung und gesichteten Realstücken glaube ich, dass Hugo Weyersberg auf keiner Klinge vor ca. 1889 auftaucht.
Vielleicht hat noch jemand weitere Informationen zu den spärlich vorhandenen von H.Weyersberg


Ich fürchte, meine hoffentlich nicht unbescheidene und kleine Bitte um Auffüllung meiner allzu grossen Wissenslücke :D über Hugo Weyersberg und Sohn, Solingen dürfte etwas im Beitrag selbst untergegangen sein-weiß wirklich niemand mehr Bescheid? ?( Danke!
LG G.
A.E.I.O.U.

8

Mittwoch, 15. Februar 2012, 13:54

Lieber Gerhard !!!

Ich unterstütze deinen Beitrag mit noch zwei Hugo's..... :tongue:

Militärbeamtendegen M.1890
kuk Ther MilAk Ausmusterungssäbel aus 1905.
Entschuldigen Sie bitte für schlechtes Deutsch.


Grüße aus Kroatien

Chombe

9

Mittwoch, 15. Februar 2012, 15:39

Hallo Gerhard!

Gratuliere, ein sehr schöner Beamtensäbel, ein wunderbarer Beitrag mit einem Stück Familiengeschichte gewürzt, da kann man nur neidisch werden.

Besonders gut gefällt mir aber, das so ein Säbel exakt 100 Jahre nach der Einführung zu einem wertschätzenden Familienmitglied kommt, und so gebührend bewahrt wird.

Ehrlich, manchmal tut einem das Herz weh, wenn man sieht wie achtlos oft Familienstücke behandelt werden.

Danke

lg

Hans

10

Mittwoch, 15. Februar 2012, 16:04

Herzlichen Dank, Hans für deinen mitfühlenden und netten Kommentar-ich hoffe, der Säbel ist jetzt für die nächsten 100 Jahre besser aufgehoben... ;)
LG G.
A.E.I.O.U.