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Sonntag, 30. Dezember 2012, 20:06

Alte Steinschloßpistole - Fragment

Hallo Zusammen,

habe dieses Fragment einer Steinschloßpistole bekommen. Sie ist 54cm lang und der Lauf ist oberseitig ca. 0,5-1mm dick mit Messing oder Bronze überzogen. Das Schloss wurde leider mal stärker gereinigt und ist verputzt. Kann man anhand der vorhandenen Teile eine ungefähre Datierung und geographische Einordnung vornehmen? Entschuldigt bitte die schlechten Bilder.

Freue mich sehr auf Eure Antworten.

Viele Grüße und einen guten Rutsch ins neue Jahr,
Andi

2

Montag, 31. Dezember 2012, 11:35

So hab nochmal bei Tageslicht ein paar Bilder gemacht. Die Kopfbedeckung des mutmaßlichen Erstbesitzers finde ich recht prägnant. Kann man darüber eine Auskunft treffen?

Viele Grüße,
Andi

3

Dienstag, 1. Januar 2013, 16:16

Hallo Andi,
zunächst alles Gute für das neue Jahr!

So und nun zur Pistole. Der Rest (schade!) der ehemals vollgeschäfteten, jagdlichen Holsterpistole stammt wohl aus der Zeit um 1740. Also aus der Übergangszeit von Barock zu Rokoko. Beide Stile sind an der Pistole erkennbar. Als barockes Merkmal ist hier zunächst der Knauf mit dem typischen Abschluß zu nennen. Die Kappe hat einen sogenannten Mascaron und seitlich recht lange Sporne. Auch die Gesamtlänge ist noch typisch für den Barock. Der erste Anklang von Rokoko ist in der jetzt nicht mehr durchbrochenen Schloßgegenplatte mit der Jagdszene zu finden.
Die genaue geographische Einordnung ist schon schwieriger. Ich würd mal großräumig Frankreich, Deutschland und Böhmen (wegen der Kopfbedeckung) nennen. Vielleicht weis hier jemand noch was genaueres.

Viele Grüße von Ebbe

4

Dienstag, 1. Januar 2013, 21:27

Grüß Dich Ebbe,

Danke für die Antwort und Dir auch alles Gute für das neue Jahr!
Ja, das mit dem Schaft ist wirklich schade, war wohl mal ein sehr schönes Stück. Ich überlege den Rest des Schaftes und den Hahn zu ergänzen, ist zwar bestimmt einiges an Aufwand, würde sich aber glaub ich lohnen. Vielleicht hat jemand ein paar Anregungen dazu und eventuell einen passenden Hahn abzugeben.

Schöne Grüße,
Andi

5

Montag, 7. Januar 2013, 20:15

Hallo Jagdsammler

genau solche Leute sind in diesem Forum gesucht, die so fachkundig Auskunft geben können.

vielen Dank für deinen Beitrag.

gruss chregu

6

Dienstag, 8. Januar 2013, 07:21

Die genaue geographische Einordnung ist schon schwieriger. Ich würd mal großräumig Frankreich, Deutschland und Böhmen (wegen der Kopfbedeckung) nennen. Vielleicht weis hier jemand noch was genaueres.

Frankreich kommt sicherlich nicht als Herkunftsort in Frage. Das Schwanzschraubenblatt endet gerade, nicht rund und eben dieses Detail findet man in Frankreich so gut wie niemals. Auf Grund dessen und auch wegen der Kontur des Schlossgegenblech gehe ich davon aus, dass die Pistole in Österreich, möglicherweise auch in Sachsen entstanden ist. Die Einordnung in die Zeit des Barock am Übergang zum Rokoko ist sicherlich korrekt.

corrado26.

7

Dienstag, 8. Januar 2013, 14:48

Hallo Zusammen und Danke für die fachkundigen Antworten!


Ich habe angefangen de Schaft mit Nussbaumholz zu ergänzen. Die vorhandenen Teile sind an der Oberfläche sehr dunkel. Ich habe "Nußbaum Dunkel"-Beize, welche aber die neuen Teile nicht dunkel genug macht. hat jemand eine Idee, wie man die Farben noch anpassen könnte?

Besten Dank und viele Grüße, Andi

8

Dienstag, 8. Januar 2013, 21:37

Hallo Andi,

kannst Du es nicht umgedreht machen und den alten Schaftrest durch vorsichtiges Reinigen heller bekommen?

Gruß Hans

9

Dienstag, 8. Januar 2013, 21:41

Grüße Dich Hans,

Das ginge höchstens durch ein Säurebad, wenn ich die Färbung komplett entfernen und die Schnitzereien nicht verputzen möchte. Aber ich finde die originale Färbung schön, zumal sie ja historisch ist und möchte sie daher belassen. Könnte man es vielleicht ganz trivial mit z.b. einem Filzstift entsprechend färben?

Viele Grüße,
Andi

10

Dienstag, 8. Januar 2013, 21:55

Andi, probieren kann man ja eine Menge (Blindproben usw.). Vielleicht kannst Du Dich mit einem Holzrestaurator in Verbindung setzen. Gruß Hans

11

Mittwoch, 9. Januar 2013, 12:16

Hallo Andi,

um die neuen Teiole dunkler zu bekommen solltest Du es einfach mit mehrmaligem beizen versuchen. Nach jedem Anstrich trocknen lassen. So kannst Du Dich an die originale Farbgebung herantasten.

Hallo chregu,
danke für die Lorbeeren, ich finde es toll wenn man sich in einem großen Kreis unter Interessierten austauschen kann und man ständig noch was dazulernt!

Hallo corrado26,
herzlichen Dank für den Hinweis mit dem Schwanzschraubenblatt! Gilt dies dann wohl auch bei Langwaffen?

Viele Grüße an alle vom Jagdsammler

12

Mittwoch, 9. Januar 2013, 15:28

Das gerade abgeschnitte Schwanzschraubenblatt findet sich fast ausnahmslos an fast allen Langwaffen vor der Zeit der frz. Revolution im genannten Bereich. Danach setzt sich froßflächig das abgerundete Ende durch.

Wenn ich Holz dunkler machen will, verwende ich meist eine offene Flamme, z.B. eine Lötlampe. Die oberste Schicht wird dabei - bei vorsichtiger Anwenung - schön und gleichmäßig gedunkelt. Es empfiehlt sich aber, dieses Verfahren erst an einem unverfänglichen Stück Kolz auszuprobieren

corrado26-

13

Donnerstag, 10. Januar 2013, 11:11

Danke für die weiteren Tipps!

Den ersten, leider kleinsten Teil, hab ich fertig. Leider muss ich das Projekt jetzt erstmal für die nächsten 3 Wochen auf Eis legen, da meine Diplomprüfungen anstehen. Danach folgen Bilder mit dem Ergebnis.

Liebe Grüße,
Andi

14

Freitag, 29. März 2013, 22:39

Hallo zusammen,

der Schaft ist fast fertig. Wie versiegel ich die Oberfläche originalgetreu - mit Antikwachs, Flüssigwachs, oder Anderem? Die originale Oberfläche ist etwas glänzend.

Viele Grüße,
Andi

15

Freitag, 29. März 2013, 22:58

Hallo Andi,

ich hoffe Deine Prüfungen sind gut gelaufen!?

Zur Schaftbehandlung schlage ich Leinöl vor. Dies mit dem Handballen regelrecht einmasiert.
Antikwachs würde ich vorher anwärmen bis es annähernd flüssig ist und ebenfalls wie oben beschrieben aufbringen.

Grüße und schöne Feiertage vom Jagdsammler Ebbe

16

Freitag, 29. März 2013, 23:17

Hallo Ebbe,

Danke der Nachfrage - ist gut gelaufen :-)
Ich werde es wohl mit Antikwachs versuchen - das vorhandene Finish scheint mir auch eine Art Wachs zu sein. Ich habe daheim noch Flüssigwachs - würde das auch gehen?

Schöne Grüße und frohe Ostern,
Andi

17

Samstag, 30. März 2013, 11:35

Hallo Andi,

Flüssigwachs? Steht da was auf der Flasche drauf? Ich meine Anwendungshinweise oder so.
An einer Stelle kannst Du es ja versuchen, viel Unheil dürfte man damit nicht anrichten.
Bei normalem Antikwachs hätte ich auch keine Schmerzen, das läßt sich dann auch gut polieren.

Gruß von Ebbe

18

Montag, 1. April 2013, 18:01

Et voila :-)
Der Ladestock ist noch ein Provisiorium...

LG und Danke nochmal für die Tips!
Andi

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »rider on the storm« (1. April 2013, 18:20)


19

Montag, 1. April 2013, 21:09

Hallo Andi,

Herzlichen Gückwunsch, das Ergebnis kann sich sehen lassen!
Der nächste Schritt wird allerdings nicht leicht werden.
Du darfst jetzt nur nichts überstürzen, lieber sich etwas länger umhören damit die zu ersetzenden Teile auch wirklich dazu passen.
Spontan würde mir Werner Biederstädt in Sulzbach-Laufen einfallen der ja auch restauriert.
Jedenfalls freue ich mich schon jetzt auf die Bilder der fertigen Pistole!

Grüße von Ebbe

20

Dienstag, 2. April 2013, 08:56

Hallo Ebbe,

Danke Dir! Ja, die fehlenden Teile zu bekommen dürfte schwierig werden; vor allem der Griffbügel denke ich. Allerdings bin ich mir noch unschlüssig wie viel ich an dem Stück ergänzen will. Den Schaft fand ich wichtig, da dieser sich schon sehr auf die Ausstrahlung der Pistole auswirkt und im vorherigen Zustand wollte ich sie daher nicht lassen. Wenn ich allerdings alles ergänze bleibt ja nicht mehr viel vom Original. Oder wie ist Deine/Eure Meinung(en) dazu, wieviel man an einem solchen Stück ergänzen sollte/dürfte?

Liebe Grüße,
Andi