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Sonntag, 15. Dezember 2019, 17:52

Füsilier Ordonnaz 1898, Bern

Hier eines von meinen drei Uniformprojekten.

Mein Ziel ist es, eine komplette Uniform mit allen Ausrüstungsgegenständen eines Füsiliers um 1900 zusammen zu stellen. Alle Stücke sollen zwischen der Zeit um 1900 und 1910 hergstellt sein. Ältere Stücke gehen natürlich auch. :whistling:
Gemäss unten stehender Liste möchte ich alle kantonal angeschafften Stücke auch aus dem Kanton Bern haben. Bei den persönlichen Materialien mache ich eine Ausnahme, da diese ja vom Wehrmann angeschafft wurden. Daher habe ich passende Stücke neu angeschafft.

Auf dem Foto zu sehen ist ein Füsilier mit Vollpackung. Er trägt auf dem Kopf den Tschako Ord. 1898, er gehört zum Bataillon 34(Simmental), 2. Kompanie. Darunter der Waffenrock und die Hosen für Fusstruppen. Am Leibgurt die Patronentaschen Ord. 1898 mit Dolchbajonett Ord. 1899.

Als Waffe trägt er ein Schmidt-Rubin Gewehr 1889. Die Marschschuhe haben einen Beschlag mit Kappennägeln, wie im Gebirge üblich. Dazu lange Stoffgamaschen, diese entsprechen noch der Ord. 1869 (Jg. 89).

Der Tornister ist eine ganz frühe Fertigung von 1899, mit zugenähtem Patronenfach. Dieser Umbau ist bei sehr vielen Exemplaren mit dem Einzug der Patronenschlaufen gemacht worden. Auf der linken Seite ist ein Haken angenäht, in welcher der Brotsack eingehängt wird. Dieser ist nur bei ganz frühen Stücken eingebaut, danach wurde der Brotsack am linken Tragriemen angehängt. Aufgeschnallt ist der Kaput Ord. 1888, darüber die Tasche für die Zelteinheit Ord. 1901. Dazu die Gamelle Ord. 1898, ursprünglich schwarz, später olivgrün lackiert. Rechts der Feldspaten Modell Linnemann.

Das Material aus dem Tornister: Die B-Hose, ein Waschtuch, zwei Ladeschachteln, Dienst- und Schiessbüchlein, diverse Reglemente, Mannsputzzeug, Policemütze Ord. 1898, Erkennungsmarke, Soldatenmesser, Waffenputzzeug, Krawatte und Ersatzschnürsenckel.

Was mir noch fehlt sind die Patronenschlaufen Ord. 1898. Diese sind aber sehr schwer aufzutreiben, ich habe jedenfalls noch keine gefunden. Dann möchte ich noch diverse Stücke ersetzen: Die Gamelle durch eine schwarz lackierte, Der Kaput, Policemütze(gehörte einem Scharfschützen oder Trainsoldaten) sind nicht aus Bern. Den Tornister möchte ich auch gerne durch ein Exemplar mit offenem Patronenfach ersetzen. Eine Arbeitsbluse wäre auch schön.

Einziger Kompromiss mache ich beim Soldatenmesser. Die Modelle 1890 und 1901 sind mir schlicht zu teuer.
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Sonntag, 15. Dezember 2019, 18:00

Noch mehr Fotos
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Sonntag, 15. Dezember 2019, 18:03

Und noch mehr.
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Sonntag, 15. Dezember 2019, 18:06

Und das letzte. :thumbup:
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Freitag, 15. Mai 2020, 19:55

Hallo Microraptor

Ist das Dolchbajonett zum Gewehr nummerngleich? Zum IG89 wurden meines Wissens keine Bajonette der Ordonnanz 99 ausgegeben. Aber wahrscheindlich keine Regel ohne Ausnahme... Ansonsten: Schönes Projekt!

Grüsse

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Samstag, 16. Mai 2020, 18:15

Ups, ein Fehler meinerseits. Es ist natürlich ein Dolchbajonett Ord. 1889. Und Nein es ist auch nicht nummerngleich, aber nahe dran. Mir wäre auch kein solcher Fall bekannt. Aber wie du sagtest, bei der Schweizer Armee gibt es fast keine mögliche Kombination, die es nicht gibt.

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Samstag, 16. Mai 2020, 23:56

Hallo

Ich hatte darum nach der Nummer gefragt. Es wäre das erste gewesen das ich in dieser Kombination gesehen hätte.

Grüsse

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Mittwoch, 5. August 2020, 19:54

Hallo zusammen
Mir ist es endlich gelungen, eine passende Bluse für meinen Füsel aufzutreiben. Und zwar eine sogenannte Gebirgsbluse. Für mich eines der interessantesten Uniformstücke der Armee.

Kurz zu den Gebirgstruppen:

Ab 1892 wurden erstmals Truppen speziell
für den Gebirgsdienst ausgebildet und ausgerüstet. Davor wurden zwar auch
Übungen im Gebirge abgehalten, dies waren aber reguläre Truppen. Mit der TO
(Truppen-Ordnung) 1911 wurden auf Bestreben Theophil Sprecher von Berneggs
(Generalstabschef der Armee im ersten Weltkrieg), der die strategische
Bedeutung des Gebirgslandes Schweiz erkannt hatte, vier Gebirgsbrigaden
gebildet. Dies fiel mit der Bildung entsprechender Truppen in den
Nachbarländern zusammen, welche sich später im grossen Krieg ausserordentlich
bewähren sollten.Diese wurden aus regulären Bataillonen,
bevorzugt solche, deren Soldaten aus gebirgigen Regionen stammten und die mit
den besonderen Verhältnissen bereits vertraut waren. In der Berner Division 3
waren dies die Brigade 9 mit den Jägerregimentern 17 und 18. Regiment 17 bestand aus den
Oberländer-Bataillonen 34(Simmental), 35(Kandertal) und 36(Oberhasli). Regiment 18 bildete sich aus den
Bataillonen 40(Oberemmental) und 89(Wallis) und diversen Spezialtruppen.Das Bataillon 34 bestand aus 4 Kompanien
zu 982 Mann, 68 Saumtiere, 20-40 Zugpferde und 10-20 Fuhrwerke.


Die unwirtlichen Bedingungen im Gebirge
stellten besondere Anforderungen an Mensch und Material. Grosse Manöver und
massierte Truppen waren nicht möglich, allerdings begünstigte das Gelände den
Verteidiger enorm, so konnte eine kleine Truppe einen zahlenmässig weit
überlegenen Feind in Schach halten. Nachschub und Logistik waren besonders
herausgefordert, da vielerorts Strassen und Wege nur spärlich oder gar nicht
vorhanden waren. Alles musste daher so kompakt und transportabel wie möglich
sein. Vieles musste man mit Saumtieren oder den Soldaten, die zusätzlich zum
normalen Gepäck vielfach Verpflegung, Munition und sonstigen Nachschub trugen,
transportierten.


Während der Grenzbesetzung 1914-1918
bewährten sich diese Truppen vorzüglich, sie wurden beibehalten und erst 2003
aufgelöst.






Dazu benötigte der Soldat im Gebirge spezielle Ausrüstung. Der Waffenrock und die Arbeitsbluse mit Stehkragen eigneten sich nur bedingt. Statt einer aufwendigen Neuentwicklung, kam einem Offizier die Idee, überzählige Kaputmäntel in den Zeughäusern abzuändern. Dazu wurde der untere Teil abgeschnitten, dazu zwei Taschen und Gurthaken aufgenäht. Ab 1913/14 wurden solche Blusen erstmals ausgegeben. Sie bewährten sich im Winter, wie im Sommer und waren bei den Soldaten sehr beliebt, da sie bequem zu tragen waren. Kurioserweise wurden sie nie offiziell ins Reglement aufgenommen, das geschah erst mit der Ordonnanz 1926. Die Blusen selbst blieben als Exerzierkleider bis in die 50er Jahre im Einsatz.

Da viele Blusen im jahrzehntelangen Einsatz verschlissen die meisten Stücke, daher sind heute die blauen sehr selten geworden.

Meine Blsue wurde 1911 hergestellt (als Kaput). Der Zustand ist super, d.h. keine Mottenlöcher. Man sieht ihr den Einsatz trotzdem deutlich an, es sind diverse Flickstellen vorhanden. Alle sind aber zeitgenössisch. Dazu ein Sammelsurium an Knöpfen. Von den ursprünglichen glatten Messingknöpfen sind ein paar ersetzt worden (Artillerie, Sappeur und Pontonierknöpfe, ein Knopf Ord.1914). Ich bin noch unschlüssig, ob ich sie so lassen soll, oder ob ich wieder überall glatte Messingknöpfe annähen will.
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Freitag, 7. August 2020, 13:36

Hallo Microraptor

Die Geschichte ist dem Stück deutlich anzusehen... Was in den ländlicheren Gegenden für den Uniformsammler noch erschwerend dazu kommt ist die Tatsache, dass die Altvorderen nach Dienstende ihre Uniformen als Werktagskleidung ausgetragen haben. Ich selbst war zu Mofazeiten noch den ganzen Winter mit einem Kaputt der Ordonnanz 40 unterwegs. Waffenröcke wurden für die Stallarbeit getragen bis wirklich nichts mehr davon übrig war...

Grüsse

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Freitag, 7. August 2020, 20:19

Es kommt halt sehr aufs Stück an. Waffenröcke sind am Häufigsten, schon bei Hosen vor Ord. 1898 wirds echt schwierig. Dazu muss gesagt werden, dass das persönliche Material nach der Dienstzeit vom Wehrmann behalten wurde, daher findet sich sowas schon hin und wieder. Die Blusen waren Korpsmaterial, d.h. sie wurden dem Soldaten leihweise zum Dienst ausgegeben und danach wieder zurückgenommen. die Idee dahinter war, den Waffenrock zu schonen. Daher wurden solche Stücke bis zum totalen Verschleiss ausgetragen. Darum sind heute blaue Blusen, ob normale oder Gebirgsblusen enorm rar geworden, während man Waffenröcke immer wieder findet. Aber finde mal Hosen der Ordonnanzen 1869, 61, 52, usw. Davon gibts praktisch keine mehr.

Zur Verteidigung muss man natürlich sagen, dass wir heutzutage genau so handeln, in 100 Jahren wird vielleicht das Smartphone in meiner Hosentasche ein begehrtes Sammlerstück sein.
Als Schweizer Uniformsammler hat man es im Vergleich zum Ausland ja sehr gut, alte Uniformen und Ausrüstungsstücke gibts bei uns noch massig, kein Wunder, hatten wir doch zeitweise das in Europa grösste Heer im Vergleich zur Bevölkerung. Zusätzlich sind die Klamotten ja für 20-40 Jahre Dienst ausgelegt, während im Ausland die Dienstzeit in Friedensjahren sehr kurz war.

Lustigerweise verhält es sich mit der Schweizer Waffen(vor allem Blankwaffen) und Uniform-Literatur genau umgekehrt.

Grüsse und schönes Wochenende
PS: Es hat sich noch ein Fehler eingeschlichen: Der Kaput ist von 1913, nicht 1911.

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Donnerstag, 7. Januar 2021, 18:55

Es geht vorwärts: Ich habe eeeeeeeeendlich eine der ach so seltenen Ladeschlaufen erworben. Damit ist das letzte Puzzlestück das noch fehlte endlich auch da. (Jeder Soldat bekam 2, das heisst eine bräuchte ich eigentlich noch :pinch: ). Die schwarze Gamelle ist inzwischen auch da, dazu habe ich einen Frosch mit Berner Stempel früherer Ordonnanz. Eine Berner Policemütze ist auch in Aussicht.

Zu den Ladeschlaufen. Der Grund für die Seltenheit ist die kurze Einsatzdauer von nur 10 Jahren. Bei der Einführung des Schmidt-Rubin Gewehrs mit Kastenmagazin 1891 befürchteten konservative Militärs, dass die Soldaten mit den neuen Paketladungen in kürzester Zeit ihre Munition "verpülfern" würden. Übrigens gab es dieselben Sorgen auch im Ausland. Aus diesem Grund wurde am Gewehr ein Magazin-Ausschalter in Form eines Hebels angebracht (Ich habe ein Foto unten hochgeladen). War dieser wie im Foto ganz oben, konnte das Gewehr nur noch einzeln geladen werden.

Die Ladeschlaufen waren die logische Konsequenz dieser Entwicklung. Sie fassten 30 Patronen und wurden im Patronenfach am Tornsiterboden aufbewahrt. Bei Gefechtsbeginn wurde eine Schlaufe auf der Brust angeknöpft. Solange der Feind noch weit entfernt war, sollte der Soldat zuerst einzeln aus den Schlaufen laden und erst wenn das Gefecht "heisser" wurde, auf die Paketlader wechseln.

Die Praxis zeigte ziemlich schnell, dass solche Befürchtungen unbegründet waren. Zusätzlich war das Hantieren mit den Schlaufen umständlich und gerade im Winter vermutlich alles andere als praktisch. Es wurde daher befohlen, die Schlaufen als Notreserve im Tornister zu lassen und die Patronen in Lader umzufüllen. 1908 wurden die Schlaufen eingezogen, die Fächer in den Tornistern entfernt (so wie bei meinem) und der freigewordene Platz anderweitig genutzt. Da sie für den zivilen Markt nicht brauchbar waren, wurden wohl viele entsorgt, der Rest ist zum allergrössten Teil im Besitz von Museen und Sammlern. Da der Füsel nicht bei mir zuhause steht, kann ich noch kein Foto am Waffenrock liefern, kommt später nach.
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Montag, 1. Februar 2021, 22:19

Hallo zusammen.
Hier ist nun auch der Tornister mit offenem Patronenfach. Hergestellt 1902 in Bern, auch kantonal genau passend. :D Leider ist er vom Zustand her nicht ganz so schön wie der andere, fällt aber zum Glück unter der Vollpackung nicht auf.
Im Patronenfach wurden eben die Ladeschlaufen aufbewahrt. Der Soldat konnte selbstständig nach hinten greifen und die Schlaufen aus dem Fach holen. Habs ausprobiert, funktioniert sehr gut, elegant sieht es aber nicht aus. Auf den Fotos 1 und 2 sieht man das Patronenfach mit geschlossener und geöffneter Klappe. Foto 3 zeigt die Vollpackung mit Kaput, Einzelkochgeschirr, Spaten, und Zelteinheit. Auf Foto 4 das Entnehmen in Aktion.
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