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Sonntag, 31. Januar 2021, 21:09

Säbel für Unteroffiziere, kantonale Ordonnanz 1742 Bern

Hallo zusammen.

Ein weiteres Museumsstück.

Diesmal ein Säbel nach der Ordonnan 1742. Waffenlänge 790mm. Klingenlänge 654 mm. Klingenbreite an der Angel 40mm.

Die Klinge wurde nach 1760 gekürzt, war ursprünglich wohl zwischen 720 bis 850 mm lang. Dazu ein Scheidenfragment, wahrscheinlich auch nach 1760.

Der Zustand ist, na ja bescheiden. Die Klinge nach der Reinigung stark fleckig und schartig. Die Spitze ist abgebrochen und der Griff wackelt. Erstaunlicherweise sitzt die Griffwicklung fest. Oben fehlt der Parierstangenfortsatz.

Am 26.Oktober 1742 beauftragte der Berner Kriegsrat den Zeugherrn Mathey
400 bis 500 «Munition Degen und Sabel» zu beschaffen, weil das
Zeughaus mit derartigen Waffen ungenügend versorgt sei. Mit dem Wort
«Munition» wurde die gewünschte militärische Uniformität dieser
Griffwaffen umschrieben. In einem Vertrag vom 27.November 1742
verpflichtete sich der in Liestal ansässige Degenschmied Michael Strübin
dem Zeughaus gemäss vorgelegtem Muster hundert Säbel bis Fasnacht 1743
zu liefern. In dem Vertrag wird u.a. festgehalten dass das starke,
wohlgearbeitete Gefäss mit «Böglin» (Griffbügel, Seitenbügel etc.) und
«Stichblats» , anstelle eines «Knopfs» (Knauf) mit einem «Leuenkopf»
ausgerüstet sein soll. In den Auftrag dem Zeughaus 1743 450 Säbel zu
liefern teilten sich die Degenschmiede Strübi (Liestal), Schnell
(Burgdorf), Ernst (Aarau) und Gruner (Bern).

Es gab allerdings diverse Abweichungen und Variationen. Es gab Kugel-statt Löwenkopfknäufe, Stichblätter mit verscheidenen Dekoren oder ohne, so wie diese Waffe, und natürlich unterschiedlichste Klingen.
»Microraptor92« hat folgende Dateien angehängt:
  • DSCN4082 (2).JPG (967,87 kB - 113 mal heruntergeladen - zuletzt: 17. September 2021, 22:40)
  • DSCN4067 (2).JPG (1,21 MB - 98 mal heruntergeladen - zuletzt: 20. August 2021, 16:47)
  • DSCN4066 (2).JPG (1,31 MB - 103 mal heruntergeladen - zuletzt: 11. September 2021, 21:39)
  • DSCN4069 (2).JPG (824,38 kB - 100 mal heruntergeladen - zuletzt: 11. September 2021, 21:35)

2

Dienstag, 2. Februar 2021, 10:41

Säbel BE. Inf. Vor 1760. Nach 1740

Hallo Microraptor
danke für den interessanten Beitrag über die Beschaffung von Säbeln im 18. Jh. laut Zeughausrechnung BE. Die führenden Kantone im Ancien Régime haben ja einander alles abgeschaut. Die Griffe der Berner, Zürcher und Luzerner Infanteriesäbel um 1750 sind ja alle sehr ähnlich. Löwenkopfknauf oder Kugelknauf und ein Spangengefäss aus Eisen oder Messing, die Spangen weisen alle Zierknoten auf, diese Zierknoten waren sehr beliebt und haben sich lange gehalten, auch bei den Schweizerregimenter in Frankreich. Ich habe einmal einen Vergleich gemacht über diese Modelle. Ich habe in meiner Sammlung noch einen Säbel mit Spangengefäss mit Zierknoten, Löwenkopfknauf, Daumenring und terzseitig eingefügter Stossplatte. Interessant ist die Klinge, sie ist ungekürzt, hat eine schmale Rückenrinne und vor allem ist das Berner Hoheitszeichen schon auf der Klinge eingraviert. Ich vermute, dass solche Säbel vor der Ordonnanz 1760 angeschafft wurden. Eigentlich ist dieser Säbel die "moderne" Fortsetzung des von dir gezeigten Säbels.
»schmiede39« hat folgende Bilder angehängt:
  • ZH 1770 009.JPG
  • ZH 1770 010.JPG
  • ZH 1770 011.JPG
  • ZH 1770 012.JPG
  • ZH 1770 013.JPG
  • ZH 1770 014.JPG

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Dienstag, 2. Februar 2021, 19:27

Hallo Schmiede
Schöner Säbel, Kompliment.

Ja das stimmt. Diese Gefässform war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in weiten Teilen Westeuropas beliebt. In Bern gab es Modelle mit Eisengefäss und gegossenen Messingteilen sowie ganzen Messinggefässen wie unsere beiden. Ab den 1720er Jahren tendierte man generell zu Messinggefässen, da sie wohl einfacher und billiger herzustellen und auch leichter zu pflegen waren.

Die Ausnahme machte glaube ich die Niederlande. Dort verwendete man noch sehr lange Eisengefässe, die ja für das bekannte Berner Modell 1760 Pate standen.

Bei deinem Modell habe ich die Vermutung, dass die Klinge ersetzt wurde. Sie ähnelt sehr denen der 1760er Säbel, erkennbar an der Wurzel, die fehlt bei meinem. Wie ist die Länge der Klinge und die Breite an der Angel?

Diese Praktik war weit verbreitet, ich habe schon mehrere solcher Säbel gesehen.

Bei Originalklingen um 1740-1750 war der Erste Drittel der Klinge voll, die Rückenrinne fängt dannach an. Bei den Abständen gibt es Unterschiede, es gibt auch ganz volle Klingen.

Bei praktisch allen mir bekannten Exemplaren ist der Spruch "Für das Vatterland" oder "Für Gott und das Vatterland" eingeätzt. Dazu unterschiedlichster Dekor, von Wappen über Zierelemente und Herstellergravuren (Der Degenschmied Johann Gruner markierte viele seiner Waffen mit "Gruner fecit in Bern").
Klingen mir durchgehender Rückenrillen scheinen erst ab 1750 in Mode gekommen zu sein.

joehau

Mitglied

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Beruf: Leibhusar

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4

Dienstag, 2. Februar 2021, 22:24

Sehr interessante Informationen zu den beiden Modelle,
die ihr hier vogestellt habt ! Vielen Dank.


Gruß Jörg