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1

Donnerstag, 31. August 2006, 19:32

Säbel m/1814 schwere Kavallerie 1.Waffe

Hallo liebe Forummitglieder,

heute kam endlich meine Neuanschaffung. Es ist der schwedische Mannschaftssäbel m/1814 für die schwere Kavallerie. Er ist zwar keine Schönheit, aber auch sehr selten. Seit ich sammle (ca. 6 Jahre) habe ich erst 5 Stück auf Auktionen gesehen. Leider meistens auch ohne Scheide. Die Preise für schwedische Säbel auch astronomisch. Säbel ohne Scheide über 500 Euro - ich weiß, eigentlich nicht viel im Gegensatz zu preußischen u.s.w. Waffen. Dafür habe ich mir in der kurzen Zeit ein paar mehr Stücke kaufen können. Kurz und gut, diesen konnte ich für weniger erwerben. Den gleichen Säbel gab es auch für die leichte Kavallerie. Diesen habe ich jedoch noch nie auf Auktionen gesehn. Der einzige Unterschied zwischen beiden ist die Pfeilhöhe. leichte Kavallerie = 5,3 cm; schwere Kavallerie = 3,6 cm. Die Inschrift auf dem Säbel - manufacture de solingen. Interessant, nicht wahr? So wie ich das bis jetzt beurteilen kann, gibt es davon Säbel mit Klinge aus Solingen und es gibt auch welche wo die Klinge nicht aus Solingen ist.

Und nun viel Spaß beim Bilder schauen.

Gruß Thomas
Gruß vom alten Schweden

Thomas

2

Donnerstag, 31. August 2006, 19:36

RE: Säbel m/1814 schwere Kavallerie

weitere Bilder
Gruß vom alten Schweden

Thomas

3

Freitag, 1. September 2006, 09:25

Hi Thomas,
hat der Säbel auch die schwedische Markierung?
Tu ne cede malis, sed contra audentior ito!

4

Freitag, 1. September 2006, 18:34

RE: Säbel m/1814 schwere Kavallerie

Hallole,

es gibt keine schwedische Marke. Zu der Zeit waren die Schweden noch nicht so weit. Unter Umständen findet man vereinzelt Schwadronmarkierungen. Das war aber von Regiment zu Regiment unterschiedlich. Am Gefäß habe ich Einritzungen gefunden. Erst mal Messing etwas putzen und dann hoffe ich das Entziffern zu können. Was aber keinesfalls heißt dass ich es deuten kann. Oft waren es Namensabkürzungen der Soldaten. Vielleicht ist dazu interessant, das Rekrutierungssystem der Schweden anzusprechen. Es gab die "Värfvade", "Indelta" und "Beväring".

"Värfvade" heißt geworbene Truppen. Dazu gehörten alle Leibregimenter und die Artillerie.

"Indelta" steht für eingeteilte Truppen. Das ist eine einzigartige schwedische Lösung. Zu ihr gehörten alle anderen Infanterie- und Kavallerieregimenter sowie die Marineeinheiten. Schweden ist zwar sehr groß hat aber eine verhältnismäßig niedere Einwohnerzahl. Durch Rekrutierungen wurden früher oft die jungen Männer alle eingezogen und die Felder konnten nicht mehr bestellt werden. Nagelt mich nicht fest aber ich glaube das es Carl XII. war, der sich mit den Ständen einigte. Ganz Schweden wurde in kleine Kreise eingeteilt. Die dort ansässigen Bauern hatten einen Mann auf Lebenszeit für die Armee zu stellen. Wenn dieser starb oder wegen Krankheit ausschied, musste ein neuer Mann gestellt werden. Ebenso mussten diese den Mann auch ausrüsten. Jetzt kommt das interessante. Die bekamen ein kleines Anwesen, "Torp" genannt, (übrigens auch Offiziere waren eingeteilt) und beackerten dieses. Man kann diese "Torp" heute noch in Schweden finden. Nur zu Übungen und im Kriegsfall mussten diese Männer einrücken. In dieser Zeit zahlte auch die Krone Essen u.s.w. So war die Bebauung des Landes gewährleistet. Im Kriegsfall kam es trotzdem immer wieder zu Rekrutierungen. Irgendwie musste man ja die Verluste ausgleichen. Reichere Bauern stellten einen Kavalleristen mit Pferd und allem. Keine Angst, auch die Bürger in den Städten wurden geschröpft. Sie stellten im allgemeinen die Marineeinheiten. Jetzt komme ich dazu, waeshalb ich das erklärt habe. Oft wurden diese Abkürzungen auf den Waffen von den jeweiligen "Unterhaltern" eingeritzt. Weil die Soldaten meißt nicht lesen und schreiben konnten. Ich habe eine Pistole vom Skåne Karabienerregiment, auf der solche primitive Beschriftung sehr gut zu sehen ist.

Zwei Sachen noch dazu. Ersten schlamperten diese Ausrüster oft, so dass ein ständiger Fehlbestand zu verzeichnen war. Zweitens ist die Waffennummerierung auf Waffen - sofern es sie gab - eigenlich die Mann - Nummer.

Nun noch zu "Bewäring". Das kann man eigentlich mit dem Landsturm vergleichen. Denn dazu konnten alle anderen männlichen Bürger heran gezogen werden.

Noch was Kuriose - wenn ich schon mal dabei bin. Die Insel Gotland musste nie Männer für die Truppen stellen. Im Gegenzug verpflichteten sie sich, die Insel sowie das Meer ringsrum zu Verteidigen.

Ich wünsche noch ein schönes Wochenende.

Gruß Thomas
Gruß vom alten Schweden

Thomas

5

Freitag, 1. September 2006, 19:20

Hallo Thomas,

eine sehr schöne Waffe, aus einer sehr bewegten Zeit. Man sieht ihm auch den Dienst an.

Weißt Du, wie bis wann diese Säbelart in Schweden getragen wurde?

Gruß,
Thomas

6

Freitag, 1. September 2006, 19:38

RE: Säbel m/1814 schwere Kavallerie

Genau ist das nicht zu sagen. Mit Sicherheit haben einige Regimenter diesen Säbel 1830 noch getragen. Die nächsten einigermaßen verlässlichen Aussagen sind erst wieder 1889 zu finden. Da hatte aber kein Regiment diese Waffe mehr.

Gruß Thomas
Gruß vom alten Schweden

Thomas

7

Samstag, 2. September 2006, 03:27

RE: Säbel m/1814 schwere Kavallerie

Zitat

Original von schwekapi
...Die Inschrift auf dem Säbel - manufacture de solingen. Interessant, nicht wahr?


Da fallen mir spontan 3 Möglichkeiten ein,

- entweder eine Herstellung und Lieferung bevor Schweden von Frankreich abfiel,
- Herstellung und Lieferung nach 1818
- oder eine französische Beutewaffe Modell AN IX

Letzteres ist allerdings eher unwahrscheinlich, da der "schwere Kavalleriesäbel M AN IX" einen anderen (größeren) Parierstangen-Endknopf besaß.

Gruß,
Thomas

8

Samstag, 2. September 2006, 09:40

Sehr schöner Säbel

Ich bin immer wieder überrascht über die verschiedenen Sammelgebiete hier im Forum und lerne sehr viel dazu. Sehr gute Darstellung der Geschichte Schwedens.
Wo erhält man eigentlich schwedisches Militaria??
SUUM CUIQUE das Motto der Leib Garde Husaren (jedem das Seine)

Rasch mit dem Pferde, hart mit dem Schwerte,
im Sattel feste, beim Becher der Beste, den Frauen hold, treu wie Gold, Mut in Gefahr, das ist ein Husar

Für Fragen über mein Spezialgebiet stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung!

9

Samstag, 2. September 2006, 21:00

RE: Sehr schöner Säbel

Zitat

Wo erhält man eigentlich schwedisches Militaria??


Miene Hauptquelle ist mein schwedischer Sammlerfreund, der seine Sammlung in richtung 17. und 18. Jahrhundert verschoben hat. Als zweites sind drei Auktionshäuser in Stockholm, wo ich natürlich durch meinen Freund begutachten und kaufen lasse. Er geht sowieso auf jede Auktion. Drittens ist da noch das Auktionshaus "Tradera", welches seit kurzer Zeit Partner von eBay ist. Ist natürlich auf schwedisch, man kann aber relativ gut rauslesen worum es geht. Ich bin da angemeldet was auch sehr einfach ging. Unter der Rubrik "Samlarsakar" und Unterrubrik "Militära Samlarsakar" gibt es ganz nette Sachen zu kaufen.

http://www.tradera.com/index.asp

Hier noch die Einstiegsseite von Tradera.

Viel Spaß wünscht Thomas
Gruß vom alten Schweden

Thomas

10

Samstag, 2. September 2006, 21:48

RE: Säbel m/1814 schwere Kavallerie

Zitat

- oder eine französische Beutewaffe Modell AN IX


Diese Variante scheidet ganz klar aus, weil das Gefäß von Generalfeldzeugmeister Helvig entwickelt wurde. In Schweden als Helvig - Gefäß bezeichnet. Natürlich stand ein französisches Modell Pate.

Zitat

- Herstellung und Lieferung nach 1818


Scheidet aus, da die Modelle schon ab 1814 mit den Solinger Klingen ausgestattat wurden. Lange Zeit glaubten schwedische Forscher, dass die Säbel der leichten Kavallerie mit Solinger Klingen ausgestattet waren und die der schweren Kavallerie nicht. Das hat sich offensichtlich nicht als wahr erwiesen.

Zitat

- entweder eine Herstellung und Lieferung bevor Schweden von Frankreich abfiel,


Schweden war niemals ein Vasallenstaat oder anders abhängig von Frankreich.

Dazu werde ich etwas ausholen und hoffe dass ich niemanden damit auf die Nerven gehe.

Gusatav IV., König von Schweden 1792 - 1809, war entschiedener Gegner von Napoleon. Er fand es unerhört, dass der französische König von Napoleon abgesetzt wurde. Er führte mehrere, recht unsinnige, Aktionen gegen die Armee Napoleons durch. Er landete z.B. in Pommern mit einer Streitmacht, wurde einmal von den Franzosen angegriffen und flüchtete wieder nach Schweden. Napoleon plante Schweden anzugreiefen mit folgendem Plan. Dänemark sollte in Südschweden einfallen und von Norwegen (zu der Zeit noch zu Dänemark gehörig) aus angreifen. Zur gleichen Zeit sollte Russland (zu der Zeit waren die beiden Staaten noch Verbündete) in Finnland einmarschieren. Dänamrak erklärte den Krieg und das relativ kleine schwedische Heer musste an zwei Grenzen präsent sein. Zur gleichen Zeit fielen die Russen in Finnland ein, so dass die finnischen Truppen dort gebunden waren. Kurz und nicht so gut - die Russen rückten immer weiter vor und die ersten Kosakeneinheiten standen auf der Insel Åland. Wenn jamand mal auf die Karte sieht wird er sehen wie dicht das bei Stockholm ist. So weit war selten eine feindliche Macht vorgedrungen. In dem harten Winter waren die Kosaken bereit übers Eis nach dem Festland über zu gehen. In diesem Augenblick putschten Teile des Militärs (übrigens unblutig), entmachteten den König und verwiesen ihn des Landes.

Carl der XIII., Onkel von Gustav IV., übernahm die Geschäfte. Er bat sofort alle um Frieden. Das klappte, aber seitdem gehört die Insel Åland zu Finnland. Falls sich schon mal jemand wegen der komischen Grenzziehung gewundert hat. Da Carl der XIII. Kinderlos war, musste ein Thronfolger gesucht werden. Kurzzeitig wurde ein dänischer Prinz ausersehen, der jedoch bei einer Truppenparade starb. Schließlich kam man auf den französischen Marschall und Fürst von Ponte Corvo, Jean Baptiste Bernadotte. Er hatte öfter Händel mit Napoleon und so bekam er von diesem die Genehmigung schwedischer König zu werden. Napoleon wollte ihn gleich beschwatzen, Schweden mit Frankreich auf diese einfache Art zu verbünden. Bernadotte lehnte ab, versprach aber sich gegenüber Frankreich ruhig zu verhalten. Ebenso stand für ihn fest, dass er niemals in Frankreich einmarschieren würde. Allerdings hatte er erkannt, dass Napoleon aus den anderen Ländern vertrieben werden musst. Es kam das was kommen musste, Napoleon verlangte, damit er Schweden nicht angriff, Matrosen für seine Flotte. Bernadotte lehnte ab. Nun ließ Napoleon schwedische Schiffe kapern und presste dessen Mannschaften in seine Marine. Um das zu unterbinden gab Bernadotte dem Drängen Napoleons nach und erklärte den Engländern den Krieg. In diesem Krieg wurde nie geschossen. Schweden tat nie etwas gegen die Engländer und die Engländer sahen es gelassen. Es ging Napoleon bei dieser Kriegserklärung darum, England mit der schwedischen Flotte zu blockieren. In der Zeit verhandelte Bernadotte aber schon mit den Russen, Engländern und Österreichern. Wie wir alle wissen, führte Bernadotte die Nordarmee der Verbündeten im Jahr 1813. Er marschierte aber nicht in Frankreich ein.

Vielleicht noch was interessantes zum Schluss. Als Carl XIII. um Frieden bat, war Marschall Bernadotte in Hamburg Chef des nördlichen Bereiches. Er stimmte dem Friedenswunsch der Schweden zu und bekam gehörig Ärger mit Napoleon. Dem hatt das gar nicht gefallen.

Wenn das zu lang ist, dann meldet Euch,

ansonsten wünsche ich noch ein schönes Wochenende!

Gruß Thomas
Gruß vom alten Schweden

Thomas

11

Sonntag, 3. September 2006, 04:50

RE: Säbel m/1814 schwere Kavallerie

Zitat

Original von schwekapi
Wenn das zu lang ist, dann meldet Euch, ...


Hallo Thomas,

Deine Ausführung hätte kein Wort kürzer sein dürfen. Danke für die ausführliche Einführung in die Geschichte Schwedens.

Wenn zwischen Frankreich und Schweden so eine Art "Übereinkommen" herrschte, durfte Solingen natürlich auch zur besagten Zeit an Schweden liefern. In diesem Fall ist es nicht verwunderlich und meine "spontanen Einfälle" sind widerlegt.

Gruß,
Thomas