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1

Donnerstag, 4. Januar 2007, 13:33

Haken(?) an der Klingenspitze

Guten Tag,

ich habe eine Frage gestellt bekommen, die ich aber als Laie leider nicht beantworten kann. Meine Hoffnung ist daher dass jemand hier davon schon mal gehört hat:

Zitat


The discussion is on a small ‘notch’ or ‘hook’ that can be found on many Austrian swords from the 18th Century.
The hook is found approx. 2 inches from the tip of the blade on the back edge. It is shown in the book Cut & Thrust by Wagner on pg 372,373 & 383. The most common sword it is found on is the Heavy Cavalry M1769.


Die Frage ist, wozu dieser omminöse Haken gedient haben könnte? Ich selbst habe so etwas noch nicht gesehen bzw. übersehen, und da ich das Buch leider nicht besitze kann ich es auch nicht nachschlagen wie das aussehen könnte.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Decius« (4. Januar 2007, 13:35)


2

Donnerstag, 4. Januar 2007, 14:58

hallo. ich habe diese frage auch gemailt bekommen. hab diesen haken natürlich auch schon des öfteren gesehen. ich hab sogar schon mal ne erklärung für diesen haken bekommen, aaaaber das ist schon so lange her, dass ich mich daran nicht mehr erinnern kann. ;(

3

Donnerstag, 4. Januar 2007, 15:59

Könnte damit dieser so genannte "Reisshaken" gemeint sein?
Habe mal gelesen (weiss leider nicht mehr wo), daß der Haken beim wieder herausziehen der Klinge aus dem Körper des Gegners die Wunde vergrößern soll.
Allerdings stellt sich die Frage, ob die Nachteile (Verlust der Blankwaffe oder vom Pferd zu fallen aufgrund des Hängenbleibens am Gegner) nicht überwiegen.

Mfg aus Wien

Michael
"Für Ehre und Pflicht bis Herz und Klinge bricht"

Bin auf der Suche nach gut erhaltenen, österreichischen Mannschaftssäbeln, besonders den Modellen M1850 und M1858.

4

Donnerstag, 4. Januar 2007, 22:39

Deutungsversuch

Hallo!
Ich kann mir nicht vorstellen, daß eine Klinge, deren Spitze umgebogen ist, so gut in den Körper des Gegners eindringen kann. Beim Rausziehen (wenn man erst mal reingekommen ist) kann man sich die Schmerzen schon vorstellen. Ähnliche Gedanken machte man sich im 1.WK, als man anordnete, daß die Sägezähne bei so manchen SG98 abgeschliffen werden mußten.
Aber wie wäre es mit der Variante, daß die Säbel außer Dienst gestellt wurden und daß damit kein weiterer Schaden entstehen kann, die Spitzen umgebogen werden sollten. Teils um die Säbel zur Fechtausbildung zu verwenden oder teils die Kinder zu Hause sich nicht gegenseitig verletzen, wenn zum Spielen Papas gutes Stück von der Wand genommen wurde.
Bin mal auf die Meinung der Spezis zu meinen Gedanken gespannt :D.

Bis bald
Roland
_______________________________________________________________

Mit schlechten Gesetzen und guten Beamten läßt sich immer noch regieren -
bei schlechten Beamten aber helfen uns die besten Gesetze nichts.
Otto v. Bismarck

5

Donnerstag, 4. Januar 2007, 22:51

Nein nicht die Klingenspitze ist umgebogen sondern es ist in den Klingenrücken knapp hinter der Spitze eine hakenartige Kerbe hineingeschliffen.
Rescuemesser haben auch so einen Haken um Sicherheitsgurte im Auto möglichst schnell durchzuschneiden.
In dem Roman von Ernst Jünger "In Stahlgewittern" wird die Wirkung von Sägezahnbajonetten beschrieben...die Sägezähne "fransen" die Wunde aus und reissen die Eingeweide mit heraus...
Wurde man auf russischer Seite mit einem Sägezahnbajonett erwischt, wurden einem Nase und Ohren abgeschnitten und der Mund so lange mit Sägemehl gefüllt bis man erstickte.

Mfg Michael
"Für Ehre und Pflicht bis Herz und Klinge bricht"

Bin auf der Suche nach gut erhaltenen, österreichischen Mannschaftssäbeln, besonders den Modellen M1850 und M1858.

6

Freitag, 5. Januar 2007, 09:33

hallo. mir sind diese einkerbungen ja nur von hiebwaffen bekannt (säbel, pallasch). ich glaube nicht, dass diese etwas mit dem hängenbleiben von innereien ( o graus ) zu tun hatten. könnte man eher bei stichwaffen annehmen. außerdem war diese einkerbung nicht sehr groß. es war ja nur eine.

7

Freitag, 5. Januar 2007, 09:43

Dieser Haken war vielleicht dazu bestimmt,

damit die gegnerische Waffe (Klinge, Lanze etc.) zu ergreiffen und wegzudrücken.

Eventuell war dieser Haken dazu geeignet, wenn scharf geschliffen, damit das Gurtzeug (Sattelriemen etc.) eines Reiters zu zerschneiden, ähnlich wie mit einem Teppich- oder Gurtmesser.

Gruß,
Thomas

8

Freitag, 5. Januar 2007, 09:52

Soweit ich weiß war die Einkerbung dazu da beim "Rückhandschlag" die Wunde durch die Reißwirkung zu vergrößern--ähnlich wie es die Klingenkrümmung beim Säbel ja auch soll.
Beim Durchziehen durch die Wunde ergibt sich durch die Schnittwirkung eine wesentlich größere Schnittlänge und Tiefe, damit größere Blutung-je schneller und mehr Blut verloren geht desto schneller ist der Gegner kampfunfähig.

Beim Treffer mit dem Klingenrücken ist die Schneide viel kürzer und auch die Krümmung entgegengesetzt. Um trotzdem eine ausreichend große Wunde zu bekommen der Haken (nicht schön aber wirkt)

9

Samstag, 6. Januar 2007, 06:47

hallo Freunde,
werde versuchen übers Wochenende Bilder von Klingenspitzen mit Reißhaken einzustellen.
Diese Reißhaken wurden von den Soldaten selbst angebracht, nachdem sich herumgesprochen hatte, dass damit beim Gegner eine schwerere Verwundung erzeugt wird.
Es war aber eigentlich verboten, genau so wie das eigenmächtige Schleifen der Klingen. Lt Gerd Maier führte das Schleifverbot dazu, dass die Soldaten ihre Säbelklingen dengelten.
Gruß
Rothbarsch

10

Samstag, 6. Januar 2007, 13:12

Hallo!
Ich lag mit dem Haken total falsch, hab`s jetzt aber kapiert, wie die Klinge aussehen soll.
@Rothbarsch : Wo im Maier hast Du das mit dem Dengeln gelesen (Seite)?

Danke!
Bis bald
Roland
_______________________________________________________________

Mit schlechten Gesetzen und guten Beamten läßt sich immer noch regieren -
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Otto v. Bismarck

11

Samstag, 6. Januar 2007, 14:24

da mein Scanner leider die Grätsche gemacht hab mußte ich das Buch photographieren--so also sah das aus, zum Entwaffnen und Zaumzeug zerschneiden sicher eher ungeiegnet sondern wirklich zum Vergrößern der Wunde

12

Sonntag, 7. Januar 2007, 15:27

hallo Freunde,
hier die versprochenen Bilder zum Reißhaken.
auf Bild 01 ist links ein Husarensäbel, mittig ein Pallasch beschrieben unter Hohenzollern ) und rechts ein Reißhaken, der zwar zum Pallasch (2) passt, aber vermutlich die Zutat eines Sammlers ist.
Bei Pallasch (2) wurden Stichblatt und Daumenbügel alt entfernt, so dass eine Zuordnung nur schwer möglich ist. Er läuft bei seinem Besitzer unter "Süddeutsch".
Dazu die Griffe vom Husarensäbel und vom Pallasch (2)
Gruß
Rothbarsch

13

Sonntag, 7. Januar 2007, 15:54

@Rothbarsch : Wo im Maier hast Du das mit dem Dengeln gelesen (Seite)?

hallo Sammlerfreund,

Gerd Maier: Süddeutsche Blankwaffen Teil III Bayern, Text zum Pallasch "nach 1780"
Gruß Rothbarsch

14

Mittwoch, 9. April 2008, 11:12

Ein Säbel ist nicht nur zum Kämpfen und Verwunden gut, sondern dient dem Reiter auch als eine Art verlängerter Arm, und mit einem kleinen, nahe der Spitze eingefeilten Haken ist er noch besser als solcher zu verwenden.

Der württembergische Regimentsarzt Dr. v. Roos berichtet vom Einmarsch in Moskau im September 1812 (zitiert nach Paul Holzhausen, Die Deutschen in Rußland 1812, Berlin 1912, Bd. 1, S. 110):

Zitat

[...] öfter wurde Halt gemacht, und während solchem bemerkten und witterten die Unsrigen, daß die in den Straßen ligenden nachgebliebenen und schlafenden Russen Branntwein in ihren Feldflaschen hatte. Da sie nicht absteigen durften, so wußten sie mit den Spitzen ihrer Säbel die Riemen, mit denen dieselben an den Tornistern befestigt waren, abzuschneiden, und die Blechflaschen mit den an den Säbelspitzen eingefeilten Häkchen zu sich aufs Pferd zu bringen.

Oliver

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Sans-Souci« (9. April 2008, 11:14)


15

Mittwoch, 9. April 2008, 19:32

Gefällt mir richtig gut diese Erklärung.

Gruss
blankhans