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Donnerstag, 6. Februar 2014, 14:20

Honourable East India Company P-1843 Kavalleriepistole

Hallo Sammlerkollegen,

ich möchte Euch eine Kavalleriepistole der Honourable East India Company aus meiner Sammlung vorstellen. Diese Pistole stammt, wie auch ein paar der Stücke die ich in diesem Forum bereits vorgestellt habe, aus einem großen Arsenal-Fund welcher im Jahr 2002 in Kathmandu/ Nepal gemacht wurde. In einem Palast im Zentrum von Kathmandu lagerten stapelweise Waffen aus der Kolonialzeit. Unter anderem viele Blank- und Schusswaffen aus britischen bzw. indischen Beständen. Teilweise wurden diese Waffen als "Rüstungshilfe" nach Nepal verkauft bzw. verschenkt oder sie kamen als Beutewaffen während und nach der Zeit der Sepoy Rebellion 1857/59 (Indian Mutiny) ins Land. Nepal unterstütze die Briten im Kampf gegen die Aufständischen und erhielt dafür unter anderem Beutewaffen aus indischen Arsenalen.


Dieses Modell wurde 1843 als Nachfolger des Modells 1840 für die Truppen der East India Company eingeführt. Das Modell 1843 wurde bis ins Jahr 1852 in einer Stückzahl von ca. 18 000 Stück produziert und verblieb bis zum Ende der EIC im Jahre 1859 im Dienst. Die Produktionskosten beliefen sich pro Stück auf 32 Shillings.

Auf dem vorliegendem Stück befindet sich auf der Schlossplatte das Löwenwappen der HEIC. Der Lauf und die Knaufplatte sind mit der Zahl "23" gestempelt. Auf dem Knauf befindet sich die nepalesische Zahl "30". Ansonsten befinden sich keinerlei weitere Stempel oder Markierungen auf der Pistole. An der Knaufplatte ist zusätzlich ein Ring befestigt an dem eine Fangschnur angebracht werden konnte. Der schwenkbare Ladestock ist an der Pistole befestigt. Die Beschläge der Pistole sind aus Messing, der Schaft ist aus Walnussholz. Der Lauf ist glatt und nicht gezogen. Diese Pistole wurde höchstwahrscheinlich von einem Waffenproduzenten auf dem indischen Subkontinent im Auftrag der HEIC hergestellt.

Es gibt auch eine in Nepal produzierte Version dieses Modells das sich allerdings in Gesamtlänge (387mm), Gewicht (ca. 1345gr.) und Kaliber (16,4mm) unterscheidet.

Gesamtlänge Pistole: 400mm

Kaliber: 0.66in. oder 16,8mm

Gesamtgewicht: 1388gr.

Viele Grüße, Michael
„Erfahrung ist die Summe der Fehler, die man gemacht hat.“ Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington (1769-1852).

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Donnerstag, 6. Februar 2014, 20:51

Kavalleriepistole Indien

Hallo Michael,

vielen Dank für Deine Informationen zu dieser in der Kolonie gefertigten Pistole. Zumeist gibt es ja nur Informationen zu den in England gefertigten Pistolen.

Als Ergänzung möchte ich drei in meiner Sammlung befindliche Pistolen vorstellen die wohl aus ähnlicher Gegend stammen, sich jedoch in einigen Details von Deinem Exemplar unterscheiden.
Die Gesamtlängen schwanken bei meinen Pistolen zwischen ca. 320 und 360 mm. Auf einem Schlossblech befindet sich ebenfalls der Löwe (er schaut allerdings etwas seltsam aus der Wäsche), auf dem zweiten steht TOWER und 1858, auf dem dritten ist es dann ENFIELD und 1858. Irgendwie musste man eben den Bezug zu Großbritannien halt herstellen.
Der vordere Schaftabschluss ist anders gestaltet und die Pistolen haben kantige Läufe. Die typische Zierrille am Schlossblech und am Hahn fehlt. Das Kaliber der glatten Läufe liegt zwischen 15,5 und 17,5 mm. Maßhaltigkeit spielte hier eine eher untergeordnete Rolle.

Viele Grüße von Ebbe

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Donnerstag, 6. Februar 2014, 20:59

Kavallleriepistole Indien

Noch Bilder der Schlösser.

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Donnerstag, 6. Februar 2014, 21:07

Kavalleriepistole Indien

Noch die Ladestöcke und die Mündungen.

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Donnerstag, 6. Februar 2014, 22:53

Hallo Ebbe,

vielen Dank für Deinen ergänzenden Beitrag. Ich werde in nächster Zeit noch weitere Schuss- und Blankwaffen aus dieser Gegend vorstellen. Die drei von Dir gezeigten Pistolen sind definitiv keine in England hergestellten Stücke. Ich könnte mir gut vorstellen das die Pistolen vom Khyber-Pass in Pakistan/ Afghanistan stammen. Dort werden bis heute "historische" Waffen produziert. Oftmals finden sich auf diesen Waffen auch Schreibfehler wie "Enfeild" statt "Enfield". Ich habe mal irgendwo gelesen das diese Waffen mittlerweile unter Sammlern ein eigenes Sammelthema bilden.

Viele Grüße, Michael
„Erfahrung ist die Summe der Fehler, die man gemacht hat.“ Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington (1769-1852).

corrado26

Experte für Feuerwaffen

Beiträge: 833

Wohnort: Nationalpark Nordschwarzwald

Beruf: Privatier

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6

Freitag, 7. Februar 2014, 14:41

Als Ergänzung möchte ich drei in meiner Sammlung befindliche Pistolen vorstellen die wohl aus ähnlicher Gegend stammen, sich jedoch in einigen Details von Deinem Exemplar unterscheiden.

Das mit der ähnlichen Gegend stimmt. Dann aber hat es sich mit den Gemeinsamkeiten!

Während es sich bei der im Eröffnungsbeitrag gezeigten Pistole um ein historisches Original handelt, sind die drei nachfolgend gezeigten Pistolen neuzeitliche Nachfertigungen nach alten Vorbilder. Die Unterschiede sind mehr als deutlich: Die Form der Schlossbleche weicht stark vom Original ab, die Beschriftung der Schlossbleche ist mit einer Schrifttype ausgeführt, die damals nicht verwendet wurde und die Originale besaßen niemals kantige Läufe. Merke: Derartige Stücke werden heute noch immer in Afghanistan, Indien und Pakistan für Touris gefertigt und je länger die Bundeswehr sich in Afghanistan aufhält, je mehr von diesen Erzeugnissen tauchen bei uns auf.

Gruß

corrado26

7

Freitag, 7. Februar 2014, 20:48

Hallo corrado26,

dass die Pistolen nichts Besonderes sind ist schon klar. Ebenso darf an der angegebenen Datierung gezweifelt werden.
Diese Pistolen haben jedoch mit Bundeswehreinsätzen nichts zu tun, da sie schon in einer Zeit in der Sammlung waren als die Bundeswehr noch für Deutschland zuständig war.
Trotzdem mache ich mir keine Illusionen und betrachte sie halt als Deko Objekte. Übrigens wenn es tatsächlich nur Touristenware ist haben sie recht sauber gearbeitet, auch wenn man es mit Englischer Produktion wahrlich nicht vergleichen kann.

Grüße vom Jagdsammler

8

Sonntag, 9. Februar 2014, 18:26

Guten Abend Sammlerkollegen.
Dieser interessante Beitrag drängt mich nun doch zu einer Frage da ich ein ähnliches Model zu liegen habe. Nur befindet sich auf dem Lauf ein Korn? Handelt es sich da um ein anderes Model oder ist dies nachträglich angebracht? Is das eine in England hergestellte version? Es müsste sich ja um ein ehemaliges Steinschlossmodel handeln.Der Indische Löwe ist nur noch schwach zu erkennen aber es befindet sich eine Abnahmepunzierung auf dem Schlossblech: S mit Krone.Das Kaliber ist ca. 18 mm
Vielen Dank
Claus69

9

Dienstag, 11. Februar 2014, 15:57

Hallo Claus,

bei der Pistole handelt es sich vermutlich um ein Vorgängermodell das vor 1839 hergestellt wurde. Wenn dies der Fall wäre, ist die Pistole ziemlich selten. Ich bin allerdings kein Experte für Feuerwaffen, meine Meinung soll lediglich einen Anhaltspunkt bilden. Vielleicht kann jemand im Forum das Modell genauer bestimmen. Bei diesen Waffen wurden Schlossplatten ausgemusterter Steinschlosswaffen umgebaut auf Perkussion, unter anderem wurden wie bei Deinem Stück überflüssige Löcher in der Schlossplatte verschlossen. Das Korn wurde in diesem Fall nachträglich angebracht, ist also nicht serienmäßig, die Halterung des Ladestocks wurde entfernt. Das läßt daraufschließen das die Pistole nach dem Ende der East India Company im Jahr 1859 wohl noch eine Zeit lang weitergeführt wurde, evtl. von einem der zahlreichen von den Briten abhängigen Fürstentümer. Der bekrönte Buchstabe "S" auf der Schlossplatte ist ein Abnahmestempel (London). Sind weitere Stempel auf dem Lauf vorhanden?

Viele Grüße, Michael
„Erfahrung ist die Summe der Fehler, die man gemacht hat.“ Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington (1769-1852).

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Dienstag, 11. Februar 2014, 15:57

Hallo Claus,

bei der Pistole handelt es sich vermutlich um ein Vorgängermodell das vor 1839 hergestellt wurde. Wenn dies der Fall wäre, ist die Pistole ziemlich selten. Ich bin allerdings kein Experte für Feuerwaffen, meine Meinung soll lediglich einen Anhaltspunkt bilden. Vielleicht kann jemand im Forum das Modell genauer bestimmen. Bei diesen Waffen wurden Schlossplatten ausgemusterter Steinschlosswaffen umgebaut auf Perkussion, unter anderem wurden wie bei Deinem Stück überflüssige Löcher in der Schlossplatte verschlossen. Das Korn wurde in diesem Fall nachträglich angebracht, ist also nicht serienmäßig, die Halterung des Ladestocks wurde entfernt. Das läßt daraufschließen das die Pistole nach dem Ende der East India Company im Jahr 1859 wohl noch eine Zeit lang weitergeführt wurde, evtl. von einem der zahlreichen von den Briten abhängigen Fürstentümer. Der bekrönte Buchstabe "S" auf der Schlossplatte ist ein Abnahmestempel (London). Sind weitere Stempel auf dem Lauf vorhanden?

Viele Grüße, Michael
„Erfahrung ist die Summe der Fehler, die man gemacht hat.“ Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington (1769-1852).

11

Dienstag, 11. Februar 2014, 17:17

Hallo Michael.
Danke für dein interessantes Statement!Der Lauf hat besonders hinten am Piston schon einige Rostnarben,daher ist es schwierig noch etwas zu erkennen.Ich habe mal versucht dies im Bild festzuhalten.Es könnte so etwas Wie ein V oder A zu sehen sein.Die Gesammtlänge ist wie bei deinem Stück 400 mm nur das kaliber scheint mir größer (18mm mit dem Zollstock gemessen)Könnte aber auch schon etwas ausgeschossen sein der Lauf.
Grüße Claus69

12

Dienstag, 11. Februar 2014, 19:37

Hallo Claus,

der Buchstabe "V" würde passen, die darüberliegende Krone ist wahrscheinlich von Korrosion bedeckt. Das bekrönte "V" ist eine Beschaumarke der Londoner "Gunmakers Company". Es müßten sich noch weitere Stempel auf dem Lauf befinden, z.B. Londoner Prüfmarken, sowie EIC-Abnahmestempel. Diese sind aber wie es aussieht wohl ebenfalls von Korrosion bedeckt. Welches Kaliber die Vorgängermodelle der P-1840 Pistole hatten, weiß ich leider nicht.

Viele Grüße, Michael
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corrado26

Experte für Feuerwaffen

Beiträge: 833

Wohnort: Nationalpark Nordschwarzwald

Beruf: Privatier

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13

Mittwoch, 12. Februar 2014, 15:52

1813 hat die EIC das bis dahin auch in der englischen Armee verwendete Steinschlosspistolenmuster New Land Pattern 1796 auslaufen lassen und ab diesem Zeitpunkt neue Modelle eingeführt, die zu Beginn als Steinschlosswaffen und etwa ab 1840 in der Perkussionsversion gefertigt oder aus der Steinschlossversion zur Perkussionszündung umgebaut wurden. Allen diesen EIC-Pistolen war die äußere Form gleich, charakteristisch war ihr gerade abgeschnittener Kolben mit der Messingkolbenkappe, in der eine Riemenöse angebracht war. Zudem hatten alle diese Pistolen einen eisernen Ladestock, welcher mittels eines Scharniers an der Unterseite der Laufmündung angebracht war.

Aus einer solchen Pistole ist die oben abgebildete Waffe entstanden. Man kann noch die Öse an der Unterseite der Mündung erkennen, an der das Ladestockscharnier angebracht war. Ob die Pistole noch in England, oder in Indien auf das Perkussionssystem umgebaut wurde, kann nicht mit Sicherheit festgestellt werden, die dazu notwendigen Stempel am Lauf sind nicht mehr erkennbar. Doch die recht primitive Art der Aptierung und vor allem die für englische Perkussionswaffen völlig untypische Hahnform spricht eher für eine indische Handwerkerarbeit lange nach Ausmusterung der Waffe bei der EIC im Jahre 1858.


Das fast nicht mehr zu erkennende "A" auf dem Lauf ist mit Sicherheit keine "Beschaumarke eines Londoner Waffenherstellers". Beschau- und Beschussmarken wurden in England einzig von der "Gunmakers Company" oder vom "Birmingham Proofhouse" geschlagen. Einen zivilen oder privaten Beschuss ließ das englische Beschussgesetz, welches seit 1613 Gültigkeit hatte, nicht zu! Wenn überhaupt, könnte dies die Meistermarke eines Londoner Büchsenmachers sein, was ich allerdings für nicht sehr wahrscheinlich halte.



corrado26

14

Mittwoch, 12. Februar 2014, 17:16

Das fast nicht mehr zu erkennende "A" auf dem Lauf ist mit Sicherheit keine "Beschaumarke eines Londoner Waffenherstellers".

@corrado, diese Marken werden im Englischen üblicherweise als "view marks" bezeichnet. Ich muß mich korrigieren was den Buchstaben "A" angeht, ich meinte "V". Was den Waffenhersteller angeht hast Du recht. Es oblag der "Gunmakers Company" diese Waffen abzunehmen. Der bekrönte Buchstabe "V" ist eine Londoner "view mark", also eine Beschaumarke der Gunmakers Company, aber mit Sicherheit keine Meistermarke. Ich habe in einem englischen Forum zwei ähnliche Pistolen entdeckt die dort behandelt werden. Siehe hier: http://britishmilitariaforums.yuku.com/t…s-old-lock-1840

Viele Grüße, Michael
„Erfahrung ist die Summe der Fehler, die man gemacht hat.“ Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington (1769-1852).

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Fagan« (30. Oktober 2015, 22:16)